Posts filed under 'Intelligent Design'

Inventur des Lebens (5): Jacken

Wie der geneigte Leser wohl bei Lektüre des letzten Artikels bemerkt haben dürfte, haben wir den Sanitärbereich verlassen und den Flur betreten, wo sowohl meine Zeitung als auch meine Jacken gelagert werden. (Vom Zeitung lesen auf der Toilette halte ich nichts, aber genau so gibt es Menschen, die Zeitung lesen in der U-Bahn für völlig abwegig halten.) Jacken und Jacketts könnten für Männer beim Shopping eine ähnliche Rolle spielen wie Schuhe und Handtaschen bei Frauen. Man findet immer mindestens eine, die einem gefällt und die man sofort kaufen würde, wenn das Jahr nur mehr Tage hätte und die Garderobe mehr Platz. Vom nichtvorhandenen Goldesel im Keller mal ganz abgesehen. Nach dem Kauf stellt man dann aber oft fest, dass man gar nichts hat, das man zu einem fleischfarbenen Sakko tragen könnte, oder dass nur Don Johnson gut in grasgrün aussieht.

Ein weiteres Problem ist, dass sich einem als Arbeiterkind und Student nicht allzu viele Anlässe bieten, ein Jackett zu tragen. Oft wirkt man dann overdressed oder zu wenig siffig, weil es sich eben nicht um ein Erbstück des bierverschüttenden Vaters handelt, sondern um einen Neuerwerb, der nicht sofort zerstört werden soll, weil so dicke hat man’s nun ja auch wieder nicht. Geschicktes Kombinieren ist hier die Maxime, höchste Sakkononchalance das Ziel. Wichtig ist vor allem das: taillierter Schnitt, drei Knöpfe einreihig, kein Glitzer, keine aufgestickten Drachen oder Startnummern etc. Dennoch sollte man nie wie ein Dandy oder Christian Kracht aussehen. Die Welt ist einfach noch nicht reif dafür…

Ähnliches gilt für Jacken und Anoraks, auch wenn da Funktionalität und Sportlichkeit mehr betont werden können und sollen. Sollte man also wegen seines Sakkos für schwul oder extrovertiert gehalten werden, muss die Jacke sagen: „Ich bin ein englischer Trinker und ich schrecke nicht davor zurück, davon Gebrauch zu machen!“ Als Orientierungshilfe dienen hier Oasis oder andere Hooligans. Um den Eindruck der Männlichkeit zu erhöhen, hilft es auch, die Jacke so zu tragen, dass ein normaler Mensch darin erfrieren würde. Im Winter also offen und am besten kragenlos. In manchen Kulturkreisen – der Bronx zum Beispiel – ist es üblich, so große Jacken zu tragen, dass man aussieht als trüge man einen Büffel auf den Schultern. Unter der Jacke natürlich. Auch hierdurch soll eine maximal männliche Wirkung erreicht werden. Ich persönlich habe mich für die Oasisversion entschieden, allerdings mit Kragen. Nun genieße ich das ängstliche Zurückschrecken der Passanten, wenn ich nachts um die Ecke biege. Muahaha.

Add comment Oktober 5, 2008

Der gute Will I Am

Jeden morgen wenn ich dusche, laufen die selben zwei Lieder im Radio: der Überhit „When did your Heart go missing“ von Rooney und „I Got It From My Mama“ von Will.I.Am. (Da ich nicht immer zur selben Zeit dusche, muss man annehmen, dass die den ganzen Tag durchlaufen, aber es soll hier nicht um schlechtes Radio gehen.)

Der Will

Will.I.Am behauptet in seinem Song, dass Frauen ihre Brüste, Hintern und den Rest ihrer Sexyness (Rest?) von ihren Müttern erben würden. Wäre diese Form der Vererbung richtig, gäbe es den Menschen wohl gar nicht.  Denn wenn Mütter aussschließlich für Töchter und Männer ausschließlich für Söhne zuständig wären, wäre es für eine Frau in der Phylogenese falsch gewesen, einen Sohn auszutragen, und für einen Mann völliger Blödsinn, weiblichen Nachwuchs leben zu lassen. Das anthropische Prinzip, also allein die Tatsache, dass wir jetzt hier sind, spricht gegen Ihre Worte, Mr. I.Am! Alle Lebewesen, die sich durch Geschlechtsverkehr fortpflanzen, tragen zu jeweils 50% das Erbgut beider Elternteile in sich. Wofür halten Sie Sex, Mr. I.Am?

Es könnte hieraus ein betimmtes Männerbild sprechen. Denn wenn Frauen ihre Weiblichkeit ausschließlich von Frauen erhalten, spricht das Männer von jeglicher femininer Ader frei. Bei Willie ist der Mann noch ganz Mann. Scheinbar ein ziemlich typisches Rollenverständnis in R’n'B und Hip Hop, wo der Mann der wilde Gangster ist, der die Kohle für die Familie ranschafft, und wo die Frau Hausfrau, Mutter und Hure ist. Die einen definieren sich über ihren Bizeps und ihr Blingbling, die anderen über die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Hintern wackeln lassen können.  Mama wär stolz.

21 comments November 13, 2007

Bonjour Tristesse

Ein schlagendes Argument gegen Intelligent Design ist nicht nur der Nacktmull, sondern auch der November. Der November ist zu kalt, zu nass, zu diffus, zu neblig, zu traurig. Durch den Oktober geht man noch lächelnd und optimistisch, doch dann kommt dieser verdammte November und würgt einem die erste Herbstdepression rein.

Ich: November, du bist kein Mädchenname, du bist Sprühregen und Hochnebel!
November: Schschsch
Ich: Du bist nicht Herbst und bist nicht Winter!
November: Schschsch
Ich: Du bist das Trauerflor der Jahreszeiten!
November: Schschsch
Ich: Du treibst Konstanz in den Selbstmord!
November: Mooooooooooooment mal, du verwechselst hier Ursache und Wirkung, mein Lieber! I used to be der neunte Monat, NOVember you know, doch dank dieser Gregorianischen Wende wurde ich zum elften, und hier stehen wir nun und haben den Salat!

Der Nebel

Vorlaut ist er auch noch, dieser November. Schschsch.

17 comments November 6, 2007

….(weiß)

Eine Farbe liegt im Trend, sie heißt weiß. Weiße Wolken, weiße Hunde, weiße Autos. Weiße Autos??? Ohja! Immer mehr Menschen -und nicht nur Lieferwagenfahrer- wagen sich an weiße Autos ran, bei den Neuzulassungen der Sportwagen liegt weiß schon bei 16%. Eine Farbe der frühen 90er war rot oder noch besser bordeauxrot. Darauf folgte eine Phase, in der praktisch jedes Auto silber war. Nun also weiß.

Der Fiesta Der Cayman

Es gibt Menschen, die behaupten, das Weiß stehe für Unschuld und vor allem für Reinheit. Die Autos seien keine bösen Luftverpester, sondern vierrädrige, pferdeapfelarme Schimmel. Ich glaube, so ein schlechtes Gewissen haben die Alltagsrennfahrer noch nicht, denn weiß tragen ja vor allem die Audi TTs, BMW-Coupés, Porsche Caymans und nicht die kleineren, sparsameren Renault Clios, VW Golfs oder Opel Astras. Ich sehe den Urspung des Trends ja im Arabischen Raum. Die Herren Scheichs sind ziemlich autogeil, aber in der Wüste ist es so damn hot, da sollte das werte Lieblingsspielzeug doch besser weiß sein. Bei den Flügen nach Thailand oder Australien, bei denen man blöderweise in Dubai zwischenstoppen muss, stellten dann immer mehr Menschen fest, dass weiß an schnellen Autos ja gar nich soooo doof aussieht. So kam der Trend dann nach Kalifornien, da ist es ja auch heiß. Und wenn er schon in Kalifornien ist, ist der Trend doch gleich viel heißer und flux bei uns gelandet.

Bei Autos korrespondieren Form und Farbe in ganz spezieller Weise. Ein Audi TT sieht in weiß schnittig und schnell aus, in bordeauxrot mag man gar nicht mehr hinschauen. Ein alter kugelförmiger Ford Fiesta hingegen badet dankbar in seinen Weinfarben, während weiß ihn als hässlich entblößen würde.

Der TT

Ein weiterer Ausgangspunkt für den Weißtrend soll der Appel iPod sein, eines der ersten technischen Geräte, das durch die Weißheit stylish wurde. Und tatsächlich scheint es so, dass es die Verbindung weiß+Technik erst seit dem iPod gibt, denn selbst in der sonst so weißen Medizin wird noch beim Narkosegerät mit Pastelltönen gespielt. Wie kamen aber die Appleguys auf weiß? Schlechtes Gewissen?

6 comments Oktober 9, 2007

Auweia!

Es gibt erwachsene Menschen, die zum Einschlafen die Abenteuer der ??? oder von Hui Buh hören, doch es geht absurder. Plüschtiere mit Riesenpenissen gehören definitv in die Kategorie „Dinge, die die Welt nicht braucht“. Deshalb sollte man für 12$ zuschlagen, bevor es jemand merkt. Kaufanreiz könnten auch die Namen der Viehcher sein: Bendover Rover, Quickie der Rammler, Dinga Ling Ling der Panda, Teddy Bare der Bär…

Bilder erspar ich uns an dieser Stelle.

24 comments September 11, 2007

Bling

Du züchtest Kampfhunde? Du fährst ein großes schwarzes Auto aus Deutschland? Du hast dich anschießen lassen, um Streetcredibility zu sammeln? Was haben 50-Cent und Nelly, was du nicht hast? Richtig: Goldzähne! Um in dieser Hinsicht sein Outfit zu perfektionieren, muss man nicht mehr zum illegalen Ex-Sowjet-Zahnarzt, es gibt ja Mr Bling. Ab 9,oo$ gibt’s das Starter Kit, mit dem man seine Zahnabdrücke machen kann, um einen custommade Grill zu bekommen. Pimp your Zähne!

Die Zähne

5 comments September 10, 2007

Der Brickboy

Der Erwachsene der Postmoderne scheint seine Kindheit nie hinter sich lassen zu können. Er will spielen, er will malen, er will basteln. Mit dem Brickboy kann er wenigstens letzerem ein letztes Mal nachgehen. Man lädt sich die Schnittpläne umsonst als PDF herunter, schneidet sich das Papier seiner Wünsche zurecht und klebt an den markierten Stellen: fertig ist der Brickboy. Da das Kind von damals ja den Geldbeutel von heute allzu gern weit öffnet, kommen dann zum Beispiel der MickeyMouse-Brickboy oder der Brickboy im Louis-Vuitton-Outfit heraus (beide nicht im Bild, verstecken sich hinter den andern).

Der BrickboyDie Briquette

Die Jungs

8 comments September 10, 2007

High Priority

Irgendwie bin ich den Mailverteiler von Opel gekommen…

Guten Tag Dr. Braun,

ich habe einen Auftrag für Sie, an dem sich schon viele versucht haben, an dem aber vor allem schon viele gescheitert sind.

Ich möchte, dass sie ein Auto entwerfen, das das Raumangebot eines Vans und dennoch die Attraktivität einer Limousine hat. Unmöglich werden sie sagen, doch ich bin fest davon überzeugt, dass gerade Sie das Zeug dazu haben, solch ein Fahrzeug zu entwickeln.

Sie sind schön, Sie sind klug, Sie sind ein Mann von Format. Ich benutze selten Dreierformeln, doch für einen Mann wie Sie scheint es mir nötig. Können sie singen, Dr. Braun? Was für eine Frage! Ich bin mir sicher, Sie sind ein vorzüglicher Sänger. Ich schlage also vor, Sie kommen nächste Woche bei mir vorbei und singen mir Ihre Entwürfe vor.

Ich freue mich,

Ihr Klaus Engelhardt

Ich fand dies in meinen Uniaufzeichnungen der letzten Semester. Von wegen Eliteuni LMU…

7 comments August 31, 2007

Ode an den Hahn

Bis auf Raben und Papageien gibt es wohl kaum Vögel, die man in irgendeiner Form als klug und sympathisch bezeichnen könnte; die meisten können halt ein bisschen fliegen oder ein bisschen singen oder besonders gut sehen oder was auch immer. Jeder Vogel kann aber immerhin etwas, das ihn besonders als Vogel auszeichnet. Betrachtet man sich nun den Hahn, fragt man sich: Was soll dieses besonders Vogelhafte bei dir sein, lieber Hahn? Du legst ja nicht mal Eier!

Der Hahn

Und in der Tat scheint der Hahn ein vollkommen bescheuertes Lebenwesen zu sein. Er kann nicht fliegen, er kann nicht singen, er muss früh raus, sein Gekrähe kann so jämmerlich sein, dass man ihn am liebsten von seinen Leiden erlösen möchte und so weiter und so fort. Was ich nun aber besonders großartig am Hahn finde, ist sein faschistisches Wesen. Er scheint sich sekündlich, mit jedem Augenblick über alles zu echauffieren, was um ihn herum passiert. Vor lauter Fassungslosigkeit fällt ihm nichts weiter ein als Augen und Schnabel weit aufzureißen und ab und zu mal ein unmotiviertes Krähen von sich zu geben. Der schlappe Kamm, den er auf dem Kopf trägt, wirkt bei der ganzen Dieweltnichtkapierenkopfschüttelei wie ein Verstärker seiner Aufregung. All dies wiederum erinnert mich in erstaunlicherweise an alte deutsche Menschen, die einen anplärren, wenn man mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fährt oder man es wagt, bei rot über die Straße zu gehen, und ich frage mich, wieso der Hahn das Nationaltier der Franzosen ist…

4 comments August 9, 2007


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