Felix – Ich, wie es wirklich war

Die Arbeit der Nacht

Veröffentlicht in Film, Kultur, Literatur, Medien von felixander am Mai 14, 2008

Ich mag eigentlich nichts schlechtes über Thomas Glavinic sagen, aber von „Die Arbeit der Nacht“ hatte ich mir mehr erwartet. Sicherlich ist die Geschichte nett angelegt und auch nicht schlecht erzählt, aber mir fehlt da die Pointe oder der Clou oder halt etwas, auf das die ganze Sache hinausläuft. Schließlich fängt er ja so groß an!

Die Arbeit der Nacht

Jonas, der Held der Geschichte, wacht in seiner Wiener Wohnung auf und stellt mit wenig Entsetzen fest, dass sowohl Radio, als auch Fernseher als auch Telephon, nicht mehr das tun, was sie sollten. Das liegt allerdings an keiner technischen Störung, sondern schlicht und einfach daran, dass Jonas der einzige Menschen auf Erden ist. Keine Eltern mehr, keine Kollegen, keinen Bäcker und am schlimmsten: keine Marie.

So strampelt sich Jonas durch die leere Stadt, beschäftigt sich mit sinnlosen Umzügen und filmt sich selbst dem Ende entgegen. Mysteriös wird es nur, als Jonas entedeckt, dass er vom Schläfer, seinem eigenen schlafenden Ich, Nacht für Nacht vorgeführt wird. Aber auch das bleibt ein Erzählstrang, der ins Nichts führt.

Entweder habe ich „Die Arbeit der Nacht“ nicht verstanden oder es handelt sich dabei tatsächlich nur um eine Liebeserklärung in menschenleerer Umgebung.  Lieber Thomas, aus sowas macht man doch normalerweise mindestens etwas Existenzphilosophisches! So hat die Geschichte etwas von dem sehr schlechten Film „Deep Impact“ mit Elija Wood: die Welt geht unter, aber am Ende wird geheiratet und alles ist gut.

Selbst ist der Mann

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Film, Kultur, Literatur, Medien, Musik von felixander am Februar 29, 2008

Mittwoch war ich feiern, da kommt man schon mal auf komische Gesprächsthemen. Wir kamen auf Rex Guildo. Für die, die sich nicht erinnern: Rex Guildo war Schlagersänger. Er war die exotische, knusperbraune Erotikphantasie von Kneipenbesitzerinnen mit lila Dauerwellenfönfrisur der 90er. Er war die Schlager-Britney-Spears der 70er und dank Fiesta Mexicana kennt ihn praktisch jeder. 1999 nahm er sich durch einen Sprung aus seinem Badezimmerfenster das Leben.

Der Rex Fiesta Rexicana

Damit sind wir auch schon beim Thema: inwieweit mache ich durch falsche Zimmerwahl meinen Selbstmord zu einer noch erbärmlicheren Sache? Sollte man nicht, wenn man schon springen will, wenigstens von einer Dachterrasse springen? Ist das Badezimmer nicht eher Pulsaderzersägen, Ertränken und Föngrillen vorbehalten? Was wird aus einem  Erhängten, wenn er nicht mehr auf einem Dachboden oder in einem Keller baumelt? Und wie steht es mit Vergiften?  Entschläft man im Bett oder auf der Couch? Oder doch lieber auf einem Fliesenboden, falls man doch noch kotzt?

Fragen über Fragen, die sich jeder stellen sollte, bevor er seinen Abschiedsbrief schreibt (Und schreibt man überhaupt einen Abschiedsbrief? Wenn ja, wie lang? Und an wen? Sagt man da tschüss? Oder danke?).  Sollten das nicht die einzigen Probleme sein, die dich vom Selbstmord abhalten: Glückwunsch und weitermachen!

R.I.P.

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Film, Kultur, Medien von felixander am Januar 22, 2008

Das Showbiz ist wieder auf Droge. Bekommt man täglich eine neue Drogengeschichte von Britney, Lindsay, Pete oder Amy frisch serviert, hat es jetzt tatsächlich den ersten Prominenten seit langem erwischt: Heath Ledger ist im Alter von 28 Jahren gestorben, wahrscheinlich an den Folgen einer Überdosis.

Der Heath

Ich habe ihn kennengelernt, als ich durch eine merkwürdige Teenieverwirrung in „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ im Kino gelandet bin. Er war der Badboy, der aber in Wirklichkeit natürlich der Süße ist. Die Rolle des Outlaws blieb ein wenig an ihm haften, zum Schluss nun spielte er den Joker in Batman – the dark Knight. Darauf habe ich mich eigentlich wirklich gefreut, endlich mal eine mutige Besetzung, zumal in der Verfilmung der 90er der Joker von Jack Nicholson gespielt wurde. Große Fußstapfen. Schade drum.

Helmut Krausser Poetikvorlesung I. Teil (Aufzeichnungen)

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn, Film, Kultur, Literatur von felixander am November 29, 2007

vorher in der U-Bahn: Helmut Krausser war mal Münchner. Von ihm wurde unter anderem „Der große Bagarozy“ verfilmt. Das heißt, er hat „Der große Bagarozy“ geschrieben, verfilmt hat es sicher Helmut Dietl. Oder der andere. Wenn man verfilmt werden will, schadet es sicher nicht, Münchner zu sein.
Als Ouvertüre erwarte ich mir eigentlich einen dramatischen Künstlermonolog im Zigarettendunst. Aber Krausser ist Familienvater und die Hausmeister sind streng.

währenddessen: Wie sich nun bei Betreten des Veranstaltungsortes herausstellt, gibt es ein weiteres Problem: es handelt sich um einen stinknormalen Hörsaal.
Aber er nöhlt, yeah!

Die Welt aus meiner Sicht ist klein und blau. Umgekehrt ergibt sich wohl ein ähnlicher Anblick.
Das Universum dehnt und streckt sich, weil es mir nicht gewachsen ist.

Danach: Bei einer Autorenvorlesung/-lesung: klatscht man oder klopft man? Das Publikum teilt sich.
Der Krausser gibt tatsächlich den großen Autor, wie man ihn sich vorstellt. Er wirkt etwas misanthropisch, lakonisch, leicht gequält, im besten Sinne arrogant und streng. Seine Plosive ploppen, er ist ein Schauspieler. Großartig: er sitz so, dass ihn kaum jemand sehen kann. Sein Verlagsfoto ist so angeschnitten, dass man nicht ahnt, dass er die Frisur von Friedrich März hat.

Guten Morgen, guten Abend, gute Nacht!

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Film, Kultur von felixander am November 7, 2007

Gestern lief mal wieder die Truman Show im Fernsehen, und obwohl ich nicht mehr als fünf Minuten sah, fiel mir eine ganz neue Sichtweise auf den Film auf. Denn natürlich geht es auf den ersten Blick um die perversen Auswüchse einer Fernsehgesellschaft, die unterhalten werden will, egal wie und womit, aber viel interessanter ist, dass es hier auch um eine ganz große Menschheitsfrage geht: bin ich durch die Welt oder ist die Welt durch mich?

Der Truman

Während wir Zuschauer sicher sind, dass Truman 24 Stunden am Tag sein Leben lebt, fällt für Truman der Baum tatsächlich nur um, wenn auch jemand hört, dass er umfällt. Ein Bürogebäude, das neben Trumans Arbeitsplatz liegt, muss nur als Kulisse existieren, weil nur das wirklich ist, was Truman davon wahrnimmt. In Trumans Welt ist jeder, der nicht Truman ist, nur da, weil Truman da ist. Sie sind Statisten ohne eigenes Leben. Philosophisch eine extreme Position, im Film das normalste der Welt. In Matrix ist es ganz ähnlich: das, was wir sehen, ist nicht das, was ist. Wobei es hier noch eine zweite Realität gibt. Truman hat die nicht.

Dennoch hat er uns etwas voraus: er kann hinter die Kulissen blicken, sobald er begriffen hat, dass sein Leben eine Fernsehshow ist. Die Menschheit hingegen weiß seit ein paar 1000 Jahren, dass ihr Verstand und ihre Sinne zu begrenzt sind, um je den Backstagepass zu lösen. Klingt das nicht wahnsinnig nach November und Depression?
Nein! Es lebe die Subjektivität! Es lebe mein Blau und dein Blau! Mein Schön und dein Schön! Und dass du da wärst, auch wenn ich nicht da wär, glaub ich einfach so.

Leroy räumt auf

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Film, Internet, Kultur von felixander am September 24, 2007

Also, wer mal einen großartigen, witzigen und klugen Kurzfilm sehen will, der gehe bitte hierhin oder lade ihn sich hier runter.

Der Leroy

In „Leroy räumt auf“ geht es um Rassismus, Nationalismus, das Dasein als Klischee/Minderheit/Unterdrückter und ganz generell um das überkorrekte Deutschland. Was der Film hier besonders gut schafft, ist eine witzige Aufarbeitung eines äußerst ernsten Themas, ohne dabei allzu pietätlos zu werden, was ihm zurecht den ersten Preis beim Time to live Filmfestival und die Umsetzung ins Kinoformat (ab 27.09. zu sehen) eingebracht hat.

Die Lösung des Skinheadproblems, die der Film vorschlägt, ist so einfach wie genial: der totale Ausverkauf einer Subkultur durch vollkommene Kommerzialisierung. Was bei Punk, RAF oder Hippietum funktioniert hat, soll auch den Glatzenschlägern den Garaus machen. Ob’s funktioniert…wer weiß, ein Kurzfilm heißt nicht umsonst Kurzfilm.

Interessant ist aus gegebenem Anlass aber nicht nur der Blick auf die Nazis, sondern auch auf die Subkultur, denn angeblich ist der islamistische Terrorist (zumindest der mit westlichen Wurzeln) der neue Punk. Mit nichts könne man deutsche Eltern mehr ärgern als  mit der Konversion zum Islam und auch der härteste Heavy-Metal sei Kinderkram im Vergleich zur Karriere eines Gotteskriegers. Das Selbstmordattentat also als Rebellion gegen die Eltern? Und die Djihad-Boygroup womöglich als Retter der Welt? Leroy, räum auf!

Bruno, Frank und Elke – deutsche Namen im Wandel der Zeit

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Film, Kultur von felixander am August 27, 2007

Ich bin heute mit Bruno Ganz U-Bahn gefahren. Man mag sich fragen, warum ich nicht mal mit Verena Kerth, sondern immer mit so intellektuellen Größen wie Elfriede Jelinek oder eben Bruno Ganz U-Bahn fahre, aber so ist das eben. Vielleicht fährt man immer mit seinesgleichen (hoho). Bruno Ganz jedenfalls wirkte auf mich, als würde er sich auf eine Rolle als Anthony Hopkins vorbereiten. Er ist ein recht kleiner, alter Mann mit aufgerissenen Augen und sich chirurgisch bewegenden dicken Fingern. Wenn man ihn so vor sich sieht, kann man natürlich die Idee nachvollziehen, den größten Hitlerimitator der Welt aus ihm machen zu wollen.

Der Bruno

Des weiteren sah ich heut morgen etwas „Verstehen Sie Spaß“ und ich fragte mich, wer da noch lachen kann. Erstens dieser sich anbiedernde, stocksteife Frank Elstner als Moderator; zweitens Scherze, die entweder total kindisch oder ekelhaft oder uralt oder einfach nicht witzig sind. Bei einem Streich wurde Menschen von einem Lockvogel im Aufzug in den Nacken geniest, bei einem zweiten wurden die Opfer zu einem Kusstest eingeladen und während sie eine Augenbinde übergezogen bekamen, wurde das Kussmodel durch einen Affen ausgetauscht. Ha ha, sehr witzig! Wer mich dann noch fragt, ob ich Spaß verstehe…

Die Elke

Zuletzt muss ich anmerken, dass Elke Heidenreich eine viel schlimmere Frisur hat, als Angela Merkel je hatte. Wieso darüber kein dämlicher Kabarettist/Comedian seine Witze reißt, leuchtet zwar ein, aber mich nervt das Merkelbashing trotzdem.

Über Sunshine

Veröffentlicht in Film, Kultur von felixander am April 26, 2007

Seltsam an Sunshine ist in meinen Augen, dass er (wenigestens an der Oberfläche) übehaupt keinen Bezug zur jetzigen Wirklichkeit hat. Die Stimmung, die The Day after Tomorrow noch klug vorausgeahnt oder vielleicht selbst mitproduziert hat, nimmt Sunshine überhaupt nicht auf, obwohl auch hier die Erde einer Klimakatastrophe zum Opfer fällt. Der Unterschied ist allerdings, dass in Danny Boyles Film die Katastrophe nicht vom Menschen gemacht ist, dass sie eigentlich nicht einmal auf der Erde ihre Ursache hat. Der Mensch ist Opfer eines dummen Zufalls oder einer göttlichen Fügung, der er sich mit Heldenmut widersetzen muss. Vielleicht spiegelt das den Wunsch wider, der Klimawandel sei doch bitte nicht menschengemacht, und wenn doch, so aber wenigstens mit den üblichen Mitteln (Atombombe, Übermensch, Bruce Willis) zu bekämpfen. Das wirkt in dieser Konsequenz dann fast schon weltfremd und eskapistisch.

Sunshine

Veröffentlicht in Film, Kultur von felixander am April 25, 2007

Sunshine ist ein Film über…tja, worüber eigentlich?Die Sonne

Oberflächlich geht es um die Rettung der Sonne -und damit der Menschheit- durch das Raumschiff Ikarus II. Ikarus II ist der Transporter einer riesigen Atombombe, die die schwächelnde Sonne wieder in Schwung bringen soll. Wo es eine II gibt, gab es auch eine I; auf dem Weg zur Sonne stößt Ikarus II auf das Notrufsignal der verschollenen Ikarus I. Hier beginnt der eigentliche Hintergrund der Geschichte. Wie beeinflussen meine Entscheidungen und mein Handeln mein Schicksal? Die Fragen an diesem Punkt der Geschichte sind schon relativ komplex: Führen wir unsere Mission planmäßig aus und retten die Menschheit? Retten wir die Crew der Ikarus I? Zählen acht Menschenleben weniger als mehrere Millionen? Würde die Rettung der Ikarus I die Erfolgschancen der Mission erhöhen (zwei Bomben sind besser als eine)?

Der Cillian

Um die Entscheidung drückt sich der Captain der Mission und überlässt sie dem jungen Physiker und Bombenexperten Capa (Cillian Murphy). Capa entscheidet sich für die Crew der Ikarus I unter dem Vorwand der größeren Erfolgsaussichten dank zweier Bomben. Mit dieser Entscheidung beginnt das Drama auf der Ikarus II. Bis zum Erreichen der Ikarus I verlieren unsere neuen Freunde schon ihren Captain bei Reparationsarbeiten am lebenswichtigen Sonnenschild, der das Raumschiff vor der tödlichen Strahlung schützt, ein weiteres Crewmitglied dreht durch, weil es Schuld am Schaden des Sonnenschilds hat, und der Sauerstoffgarten, der die Luftversorgung der Ikarus II sicher stellen soll, brennt völlig ab.

Das Schiff

Bis hierhin bleibt die Geschichte noch ziemlich im Rahmen, auch wenn natürlich die ganze Sonnenrettungsaktion eher unsinnig ist, aber das sollte man bei diesem Film auf jeden Fall vernachlässigen. Dummerweise hebt die Sache ziemlich ab, als die Ikarus II an die havarierte Ikarus I andockt. Es bleibt noch etwas unklar, aber es stellt sich bald heraus, dass auf der Ikarus I der Captain noch lebt (oder jedenfalls untot ist) und sein einziges Ziel es ist, alles, was kreucht und fleucht, umzubringen. So muss dann eben nach und nach einer nach dem anderen dran glauben und nur der heldenhafte Capa hält immerhin lang genug dagegen, um die Bombe noch Richtung Sonne zu schicken und die Menschheit (in diesem Fall seine Schwester, was schon wieder 1 000 mal besser ist als blöde Welterlösungsszenen in Independence Day) zu retten.

Der Danny

Der Tod im Weltraum ohne Raumanzug sieht übrigens unspektakulärer aus, als ich es mir vorgestellt habe. Ich dachte immer, dass wegen des großen Druckunterschieds, der Körper des Menschen platzen müsste. Der Vorschlag von Sunshine sieht einfach nur Schockfrostung vor. Und da man dann eh schon nah genug an der Sonne ist, folgt fluxes Verglühen. Ein bisschen unspektakulär, auch wenn das Blut des abgebrochenen Arms wie Granatapfelkerne durchs All schwebt.

Der Film

Vom Regisseur Danny Boyle, der beispielsweise für Trainspotting herrlich surreale Bilder geschaffen hat, hätte ich mir mehr erwartet. Natürlich sind auch in Sunshine einige wunderbare Bilder dabei und vor allem der Soundtrack ist dank Underworld (die hatten ja auch bei Trainspotting schon ihren Hit) wirklich unmenschlich schön, aber leider bleibt der Film zu sehr im Genre und erinnert dann doch hier und da an Lost in Space und wegen des Zombieendes besonders an Event Horizon. Schade.