Posts filed under 'Fernsehen'

Was ich immer schon einmal machen wollte (2): Lachsconfit

Die Erfahrung zeigt, dass die Frau von heute im Gegensatz zur Frau von gestern nicht mehr so gerne und gut kocht. Statt Rinderrouladen wird Salat mit Zeug hergestellt und gegessen, egal ob das einen männlichen Mittzwanziger satt und froh macht oder nicht. Deshalb ist Mann von heute, sofern er nicht mehr bei Mama wohnt, gezwungen, sich selbst an den Herd zu stellen und Fleischgerichte zu zaubern. Wie so häufig hat die Emanzipation auch beim Kochen nicht dazu geführt, dass sich beide Geschlechter einer Sache gleichgut widmen, sondern dass der eine seine Domäne aufgibt und der andere sie mehr oder weniger erfolgreich ausfüllt. So kommt es, dass eine ganze Generation junger Männer im Verhältnis zu ihren Altersgenossinnen erstaunlich gut kocht.


Wow, selbst geputzt!

Und diese Generation ist über Spiegelei und Spaghetti hinausgewachsen. Sie will Herausforderungen! Sie will beeindrucken! Sie will Meisterschaft! Jakobsmuscheln, Koberind, Wachteln! Spargel, Trüffel, Topinambur! Ingwer, Koriander, Kerbelwurzel!

Ich persönlich bin in diesem Zusammenhang auf ein Gericht gestoßen, das zunächst leicht pervers anmutet. Und damit ist tatsächlich nicht perverslecker gemeint, sondern pervers im Sinne von Sprechkäsefetisch. Denn wie es sich für ein Confit gehört wird hier Fleisch oder Fisch in sehr viel Öl gegart, was ursprünglich dazu diente, beispielsweise Gänsefleisch haltbar zu machen. Das Rezept ist eigentlich ganz einfach: man salze ein schönes Stück Lachs leicht ein, heize 2 Liter Olivenöl in einer feuerfesten Form im Ofen auf 40°C und lasse den Lachs darin 50 Minuten gar ziehen. Der Clou daran soll sein, dass der Lachs, der sonst gerne trocken wird, dies eben nicht tut und lachsiger schmeckt denn je. Im Gegensatz zum Frittieren ist das Öl allerdings vergleichsweise kalt, weshalb man sich kaum vorstellen kann, dass sich der Fisch nicht mit Öl vollsaugt und man praktisch auf einem Stück Olivenöl kaut, wenn man sich überwunden hat, den Mund zu öffnen.


Klingt nicht nur nicht so lecker, sieht auch nicht so lecker aus: Lachsconfit.

Zeugen berichten, dass der Fisch in der Tat überhaupt nicht nach Fett schmecke und sie selten besseren Lachs gegessen hätten. Nichtsdestotrotz habe ich es bis jetzt nicht gewagt, ein Stück Lachs (Sushiqualität) in Literweise (schönem) Olivenöl zu versenken. Der Kocholymp blieb mir damit bisher verschlossen. Solltest du mehr Eier haben, melde dich!

Add comment Mai 12, 2009

Was ich immer schon einmal machen wollte (1): Bayerntrainer sein

Fußball ist die schönste aller Sportarten. Man rennt, man kämpft, man schießt Tore. Die etwas besseren machen zwischendrin auch ab und zu einen Trick, die etwas schlechteren ein grobes Foul oder dumme Fehler; aber im Grunde reichen doch die ersten drei genannten Tätigkeiten, um Fußball zu spielen. Dass daraus ein riesiges Medienereignis, ein Kulturspektakel, der größte Sport überhaupt entstehen kann, ist wohl schwer nachzuvollziehen. Aber wer das schon nicht versteht, wird beim Gedanken an Paris Hilton wohl vollkommen den Verstand verlieren. Es ist, wie es ist, und der größte Verein der Welt oder immerhin Europas oder immerhin Deutschlands ist der große FC Bayern München. 21 Mal (bald 22) Deutscher Meister, 14 Mal DFB-Pokalsieger, 6 Mal Ligapokalsieger und auch international ab und zu ganz gut dabei (Champions League-Sieger 1974, 1975, 1976, 2001; UEFA-Pokalsieger 1996; Weltpokalsieger 1976, 2001).


Grobes Foul oder dummer Fehler? Manchmal schwer zu unterscheiden.

Um es als Spieler bis in diese Mannschaft zu schaffen, würde es für mich noch nicht einmal reichen, wenn alle auf Lell-Niveau spielten. Zumal der Zug nicht nur was das Talent angeht abgefahren ist, sondern auch was das Alter angeht. Mein Weg ist also der eines José Mourinho: vom talentfreien Spieler zum erfolgreichen Trainer. Jürgen Klinsmann (vom talentreichen Spieler zum erfolgsfreien Trainer), wurde soeben beim FC Bayern entlassen, Jupp Heynckes (geschätzte 125 Jahre) wurde als Interimstrainer engagiert. Es würde mich nicht wundern, wenn Uli Hoeneß auf der Suche nach einem Nachfolger auf mich aufmerksam werden würde. Ich bin charismatisch, ich kann schreien und ich kann nicht nur ein Spiel lesen, sondern auch den Spielbericht. Ich würde eine Mannschaft aufbauen, die mit einem epochemachenden 4-3-3 (adieu Raute, adieu Doppelsechs) Europas Elite schwindelig spielt und die Bundesliga im Vorbeigehen dominiert. Es gäbe keine Ottls oder Lells mehr, keine Rowdies wie van Bommel oder Stackser wie Luca Toni. Nur noch technisch versierte, junge Talente, die das Gesicht des Clubs über Jahre prägen und an die Epoche Mitte der 70er erinnern.

Aber nein, an der Säbener Straße werden weiterhin engstirnig kleine Brötchen gebacken. Statt ein bis zwei Jahre auf einen Titel zu verzichten, um dann erst recht und mit größerer Vehemenz zuzuschlagen, fährt man das Sicherheitsprogramm und wundert sich, warum man nicht mehr zur Crème in Europa gehört. Lieber FCB, wenn du mich nett bitten würdest, nähme ich die langwierige Trainerausbildung auf mich. Ich würde mich hocharbeiten, vom Jugendtrainer zu den Amateuren bis zu den Lehrgängen, auf die Matthias Sammer so viel Wert legt. Ich würde den Fans klarmachen, dass wir erst einmal nicht ganz oben mitspielen, dass es aber auch einen Fan ausmacht, nicht gleich zu buhen, wenn mal nicht alles rund läuft. Ich würde mit meinen Einwechslungen das berühmte goldene Händchen beweisen. Ich würde ein Finale verlieren. Ich würde meine Mannschaft schließlich doch zu Meisterschaften führen und meine Spieler würden beim Verein bleiben, auch wenn andere Clubs mit dickeren Geldbündeln wedeln.

Und irgendwann stünden wir dann im Mittelkreis eines der größten Stadien Europas und würden diesen riesigen Pott in die Höhe stemmen. Du und ich, lieber FCB…

Add comment Mai 2, 2009

Der deutsche Fußball

Nationen, wie wir sie kennen und als natürlich empfinden, gibt es noch gar nicht so lange, wie man meinen könnte. Gerade Deutschland gibt es in den ungefähren heutigen Zügen erst seit 1871. Dennoch gibt es zu vielen Nationen -besonders denen des alten Europa- Symbole, die diese Nationen verkörpern oder sie charakterisieren sollen. So ist das Nationalsymbol der Engländer, der stolzen Engländer, das Meer, das sie umgibt. Das Meer ist das einzige „Terrain“, das die Engländer erobern können, ein unendlicher Raum und gleichzeitig ein unerbittlicher Gegner (zumindest zur Zeit, als diese Symbole entstanden). Doch das Meer ist auch die sicherste Grenze, die man sich wünschen kann, Angst vor Fremden muss man als Engländer folglich nicht zwingend haben, viel eher wird man sich über jeden Neuankömmling neugierig freuen.

Laut Elias Canetti ist das Nationalsymbol der Deutschen der Wald. Deutschland, das ganz im Gegensatz zu England nicht die splendid isolation genießt, sondern haufenweise Nachbarn hat, fühlt sich stets leicht vom Fremden bedroht und reagiert statt mit Neugier eher mit Ablehnung. Zuflucht vor dem ständigen Stress der Konfrontation mit dem Nicht-deutschen sucht die deutsche Seele nun Canetti zufolge im Wald. Der Wald ist beschaulich und menschenleer. Und vor allem: der Wald besitzt die vertikale Ordnung, die der Deutsche angeblich so liebt. Wie tapfere Soldaten ragen die Bäume gen Himmel, „der marschierende Wald“. Die Armee, der Wald als Tranquilizer.

Folgt man bei der Beobachtung der Armee Michel Foucault, ist sie eine Institution, die ihre Schlagkraft nicht aus der Förderung einzelner Talente bezieht, sondern aus der Schaffung einer absoluten Disziplin; jeder führt dieselbe Bewegung auf dieselbe Art und Weise aus. So entsteht ein aus einzelnen Gliedern bestehender Körper, der allein durch die Anwendung von Taktik in Bewegung gesetzt wird. Ein Rädchen greift ins andere.

Die Parallele zur deutschen Nationalmannschaft (dem Heer der Moderne) ist so erstaunlich wie offensichtlich. Während Mannschaften, die berühmt sind für ihren schönen Fußball, eher so wirken wie eine Trupe hochtalentierter Ritter, die zusammenspielen oder eben nicht, ist die deutsche Nationalmannschaft ein Heer, das nur funktioniert, wenn alle Teile mit höchster Disziplin (meinetwegen auch höckschter Dischziplin) derselben Taktik folgen. Wo andere auf den kreativen Einfall, die Genialität eines einzelnen setzen, gewinnen die Deutschen durch einstudierte Spielzüge. Bei den Spaniern kann man sagen, dass sie Europameister wegen der überragenden Fähigkeiten eines Xavi, Villa, Silva, Iniesta, Fabregas, Torres, Casillas, Ramos usw. geworden sind. Bei den Deutschen lässt sich nur schwer behaupten, dass sie bessere Fußballer als die Holländer, Italiener, Franzosen, Portugiesen, Russen, Tschechen, Türken usw. hätten und sie deswegen vor diesen allen Vizeeuropameister geworden seien. Es scheint viel mehr die vollkommene Homogenität des Mittelmaßes zu sein, die sie so erfolgreich macht. Selbst Spieler, die zur Weltklasseleistung taugen, wie Ballack oder Gomez, gliedern sich in das Heer ein und ordnen sich der Gleichmäßigkeit der Disziplin unter. So entsteht eine Armee aus 23 Spielern, in der ein Rädchen das andere ersetzen kann, aber vor allem auch eins ins andere greift. Ein Klischee wird Vizemeister. Olé olé!

(Liebe 11Freunde-Redaktion, besser als ein Fußballessay vom Ströbele is das ja wohl. Gebt mir ein Premiereabo!)

Add comment Juli 7, 2008

9 Beobachtungen zum ersten EM-Tag

1. Die werten Gastgeber in der Schweiz haben ganz klar erkannt, dass kein Mensch Eröffnungsfeiern sehen mag/ sehen kann/ zu ertragen gewillt ist/ gut findet. Deshalb wurde ein Proforma-Freiwilligen-Ballett aufgezogen, das -dem Himmel sei Dank- sein Spektakel innerhalb von etwas über zehn Minuten runternudeln konnte.

2. Das Highlight für Béla Réthy an der Eröffnungsfeier war sicherlich der Auftritt von Miss Switzerland 2007. Man konnte deutlich hören, wie er verärgert den Schaum vor seinem Mund wegwischte, als der Regisseur von ihren Brüsten auf tanzende Kinder -oder schlimmer: Sepp Blatter- schnitt.

3. Dem ZDF ist offensichtlich nicht klar, dass die meisten Menschen nur äußerst widerwillig ihre Fernsehgebühren bezahlen. Wie sonst ist es zu erklären, dass man einen Studioaufbau in den Bodensee stellt, der in seinem Größenwahn an Wetten, dass erinnert?

4. Und überhaupt das Studio: eine Tribüne für 5000 Zuschauer?! Ein riesiges, grusliges Auge im Hintergrund, das man wegen seiner Geschmacklosigkeit bei Uri Geller oder auf der Expo erwarten würde!?

5. Wenn man einen Mann weinen sehen will, muss man nur den schweizer Fußball im Beisein von Urs Meyer erwähnen.

6. Was 2006 Jan „Chubaka“ Koller war, ist bei dieser EM Alexander Frei. Schade, wenn so einer so früh wegen einer Verletzung ausscheidet. Und wegen ihm dann sein ganzes Team.

7. Béla Réthy lobte beim Spiel Schweiz-Tschechien die Integrationsarbeit der Schweizer, weil bei ihnen so viele Spieler mit Migrationshintergrund in der Mannschaft stünden. So gesehen sollte sich die schweizer Politik die Frage gefallen lassen, warum man echte Verstärkungen wie Rakitic oder Petric nicht integrieren konnte, sondern eher fußballerische Schweizer wie Yakin oder Vonlanthen.

8. Der wichtigste Spieler der Portugiesen heißt nicht Cristiano Ronaldo, sondern Deco (sprich: Dehkuh). Er ist der Michael Ballack Portugals, seine Diagonalpässe würden auch einen Stefan Effenberg oder David Beckham stolz machen.

9. Die auffällige Humorlosigkeit deutscher Sportreporter gleicht einem Trauerspiel. Technische Pannen werden hilflos hingenommen, eigene Fehler werden peinlich ergriffen hastig korrigiert oder am liebsten gleich ignoriert. Der Vorteil: laufen Formel 1 auf RTL und Fußball im ZDF gleichzeitig, sieht man sich als Zuschauer keinerlei Niveauänderung ausgesetzt und kann so vollends in die schöne Welt des Sports eintauchen.

Add comment Juni 7, 2008

Der Bart des Mannes

Die CDU gewinnt nun schon zum zweiten Mal (in meinem politischen Bewusstsein) eine Bundestagswahl aufgrund eines Bartträgers. Und das nicht, weil Bartträger so beliebt wären, sondern weil sie für die SPD kandidieren (Scharping gegen Kohl, Beck gegen Merkel). Der Bart – einst Zeichen von Männlichkeit oder immerhin modisches Accessoire – ist für Wirtschafts- und Politikeliten zum absoluten No-Go geworden. Der Bart wird mit Miefigkeit, Piefigkeit, Lehrerhaftigkeit, Gemütlichkeit und Provinzialität in Verbindung gebracht. Das war nicht immer so. Von Thomas Mann bis Adolf Hitler verband das Oberlippenbärtchen die intellektuelle Bourgeoisie mit der braunen Schweinekratie. Den Walrossbart teilten sich vermutlich nicht nur Nietzsche und Bismarck. Und der Backenbart eines J.W. Goethe stand auch einem Mathematikergenie wie C.F. Gauss gut zu Gesicht.

Die Bärte

Auch die ewig adoleszenten Männer im urbanen Raum von heute, zwischen 20 und 45 Jahren, schätzen den Bart. Hier ist er allerdings eher Ausdruck gepflegter Siffigkeit und Nonchalance. Das Proletariat hingegen pflegt den Bart wie seinen Vorgarten, es hat es zu einer nahezu virtuosen Fingerfertigkeit mit dem Trimmmesser seines Rasierapparats gebracht. Hier ist der Bart die kreative Spielwiese eines ansonsten scheinbar tristen Alltags. Oder eben Schwanzverlängerung und Männlichkeitsvergewisserung. Das, was zuviel ans Auto gepappt und geschraubt wird, findet seinen Widerpart im Haarschmuck und nicht umsonst nannte man früher beides „frisieren“.

Kurt Beck möchte nun seinen Bart für eine Million Euro versteigern, um endlich dazuzugehören. Die Frage ist nur: wer soll das zahlen wollen? Die, die über dieses Geld verfügen, sind absichtlich bartlos, warum sollten sie sich einen kaufen? Die, die Kurt Beck ohne Bart und damit eine Bundestagswahl gewinnen sehen wollen, haben erstens nicht das Geld dazu und können zweitens einfach die bartlosen Gysi und Lafontaine wählen. Ich wiederum wäre für diesen Bart durchaus zu begeistern, aber leider ist mein Haupthaar nicht grau und alternative Bartquellen sind sicherlich günstiger.

So wird die für die Elite gemachte, weil von Geburt an bartlose, Angela Merkel ihre zweite Bundestagswahl gewinnen und der Bart weiterhin Erkennungszeichen der wahren Loser sein. Für das Beste im Mann!

5 comments Mai 14, 2008

Selbst ist der Mann

Mittwoch war ich feiern, da kommt man schon mal auf komische Gesprächsthemen. Wir kamen auf Rex Guildo. Für die, die sich nicht erinnern: Rex Guildo war Schlagersänger. Er war die exotische, knusperbraune Erotikphantasie von Kneipenbesitzerinnen mit lila Dauerwellenfönfrisur der 90er. Er war die Schlager-Britney-Spears der 70er und dank Fiesta Mexicana kennt ihn praktisch jeder. 1999 nahm er sich durch einen Sprung aus seinem Badezimmerfenster das Leben.

Der Rex Fiesta Rexicana

Damit sind wir auch schon beim Thema: inwieweit mache ich durch falsche Zimmerwahl meinen Selbstmord zu einer noch erbärmlicheren Sache? Sollte man nicht, wenn man schon springen will, wenigstens von einer Dachterrasse springen? Ist das Badezimmer nicht eher Pulsaderzersägen, Ertränken und Föngrillen vorbehalten? Was wird aus einem  Erhängten, wenn er nicht mehr auf einem Dachboden oder in einem Keller baumelt? Und wie steht es mit Vergiften?  Entschläft man im Bett oder auf der Couch? Oder doch lieber auf einem Fliesenboden, falls man doch noch kotzt?

Fragen über Fragen, die sich jeder stellen sollte, bevor er seinen Abschiedsbrief schreibt (Und schreibt man überhaupt einen Abschiedsbrief? Wenn ja, wie lang? Und an wen? Sagt man da tschüss? Oder danke?).  Sollten das nicht die einzigen Probleme sein, die dich vom Selbstmord abhalten: Glückwunsch und weitermachen!

2 comments Februar 29, 2008

Der Bundesvision Song Contest

Deutschland ist ein merkwürdiges Land. Hier bestehen Menschen darauf, sich mit ihrem wertvollsten Gut (Nicht ihr Leben, ihr Auto!)mit größtmöglicher Geschwindigkeit durch die Landschaft schießen zu dürfen. Mütter, die arbeiten wollen, sollen einen Großteil ihres Gehalts dafür opfern, dass ihre Kinder betreut werden. Sie dürfen also arbeiten, um arbeiten zu dürfen. Und um in einer Kneipe rauchen zu dürfen, muss man diese in einen Club verwandeln und jeder Raucher muss sich in eine Liste eintragen, falls ein Kontrolleur kommt, um die Gesundheit der Nichtraucher zu behüten. Wo sonst könnte ein Metzger zum größten Fernsehunternehmer des Landes werden? Und was dieser Metzger nicht alles revolutionäres auf die Beine stellt: eine Wok-WM, eine Castingshow für echte Sänger oder auch einen Liederwettbewerb zwischen den 16 Bundesländern – den Bundesvision Song Contest.

Der Clueso

Bei diesem Wettbewerb traten gestern 16 Bands gegeneinander an, die sich grob in drei Richtungen einteilen lassen: NDW-Postpunk-80s-Rock (Jennifer Rostock, Pauls Rekorder, Madsen etc.), Soul-Rap-Reaggea-Dancehall (Rapsoul, Laith al Deen, Culcha Candela, Far East Band, Sisters etc.) und Goth-Rock mit Mittelaltereinschlag (Subway to Sally, Down Below etc.). Überraschenderweise konnte die Radio-black-music-Fraktion nur schwer punkten und musste sich der Gitarrenmusik klar geschlagen geben. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen boten sich bis zum Schluss der sympathische Clueso mit einem wirklich netten Song und die Kuttenträgernerds von Subway to Sally. Bis zur Punktevergabe aus Niedersachsen konnte man noch hoffen, dass das Publikum ausnahmsweise geschmackssicher Clueso zum Sieger kürt, doch sein Einpuntkevorsprung sollte nicht reichen, 10 Punkte aus Niedersachen und damit der Sieg gingen an Subway to Sally. Wie schon beim Eurovision Song Contest 2006, als Lordi siegten, stellt sich mir die Frage, wie es sein kann, dass die Mischung aus veraltetem Hardrock und Mittelalterkitsch so viele Menschen anspricht. Werden wir insgeheim von den Rollenspielern und Zwirbelbartträgern dieser Welt regiert?

Die Rollenspieler

Und um die Diskussion des letztjährigen Eurovision Song Contests aufzunehmen: ist nicht auch in der Bundesvision ein deutlicher Osttrend zu erkennen? Immerhin machten den Sieg Brandenburg und Thüringen unter sich aus. Schanzen die vielen in den Westen ausgewanderten Ossis ihren Herkunftsländern unfairerweise die Punkte zu? Hat hier ein Ostklüngel seine Finger im Spiel? Wie kann es sein, dass der reiche Süden mit Punkteentzug abgestraft wird? Die Neiddebatte sollte neu aufgerollt werden.

1 comment Februar 15, 2008

R.I.P.

Das Showbiz ist wieder auf Droge. Bekommt man täglich eine neue Drogengeschichte von Britney, Lindsay, Pete oder Amy frisch serviert, hat es jetzt tatsächlich den ersten Prominenten seit langem erwischt: Heath Ledger ist im Alter von 28 Jahren gestorben, wahrscheinlich an den Folgen einer Überdosis.

Der Heath

Ich habe ihn kennengelernt, als ich durch eine merkwürdige Teenieverwirrung in „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ im Kino gelandet bin. Er war der Badboy, der aber in Wirklichkeit natürlich der Süße ist. Die Rolle des Outlaws blieb ein wenig an ihm haften, zum Schluss nun spielte er den Joker in Batman – the dark Knight. Darauf habe ich mich eigentlich wirklich gefreut, endlich mal eine mutige Besetzung, zumal in der Verfilmung der 90er der Joker von Jack Nicholson gespielt wurde. Große Fußstapfen. Schade drum.

Add comment Januar 22, 2008

Was würdest du tun?

Die Frage, die das Fernsehen derzeit stellt und auch gleichzeitig beantwortet, lautet: Was würdest du für ein bisschen Bekanntheit tun? Wie weit würdest du für eine BILD-Schlagzeile gehen? Was ist dir deine Würde wert? Die Sendung, in der es so hochphilosophisch zugeht, heißt „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“. Die Teilnehmer werden im Rahmen der Sendung als „prominent“ bezeichnet, dennoch weiß der Zuschauer, dass es sich hier um Menschen handelt, deren Geldquelle die Öffentlichkeit ist, die aber aus verschiedenen Gründen (Talentlosigkeit, Karriereende, Hypeende, Vernunft) kein Geld mehr aus dieser Quelle erhalten.

Müssten diese Bedürftigen nun ein paar Wochen im Wald verbringen, könnte man sagen:„Das dürfen sie gerne tun, aber fürs Fernsehen ist das uninteressant.“ Der eigentliche Reiz der Sendung liegt in den sogenannten Dschungelprüfungen. Hierzu wird täglich ein Kandidat ausgewählt, der sich einer Mutprobe zu stellen hat. Die kann beispielsweise darin bestehen, dass man diverse lebende Gliederfüßer in den Mund zu nehmen hat oder dass man sich von 40 000 Kakerlaken begraben lässt. Gemein ist fast allen Prüfungen, dass sie den Kandidaten herabwürdigen und praktisch alle Beteiligten, also auch den Zuschauer, anekeln. Der Dschungelprüfling muss sich nun vor jeder Prüfung, mit der er Essen für sein Team gewinnen kann, fragen, ob er schon prominent genug ist, um sich leisten zu können, abzulehnen bzw. den rettenden und im Falle dieser Armleuchter fast schon zynischen Satz zu sagen:„Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“

Erstaunlicherweise nehmen aber fast alle Promis ihre „Herausforderung“ an. Erstaunlich deshalb, weil ich mir sicher bin, dass die Kandidaten in einem Fernsehstudion in Köln sich sträuben würden, Känguruhhoden in den Mund zu nehmen, egal wieviel Geld man ihnen böte.  Sie würden auf ihre Integrität verweisen und behaupten, dass sie nicht alles für Geld täten. Im Fernsehdschungel Australiens aber(der auch von vielen anderen Fernsehanstalten gemietet wird)  können die Teilnehmer einen Schalter im Kopf umlegen und sich als Helden in einem Spiel sehen, in dem RTL oder der Dschungel das böse Gegenüber ist, das die Regeln macht. Wir wissen, sie tun es fürs Geld und Folgeaufträge, sie wissen dasselbe und dennoch schaffen sie sich eine höhere Motivation und verkaufen sich selbst. Herzlichen Glückwunsch, RTL!

1 comment Januar 21, 2008

Dear Ministerpräsident

Roland Koch hat gestern bei Hart aber fair damit angegeben, dass es in seinem Hessen nur sehr wenige Rechtsradikale gäbe. Mal überlegen: wenn man einen Radikalen so definiert, dass das jemand ist, der sich mit seiner Meinung relativ weit von einer gesellschaftlichen Norm bzw. der Durchschnittsmeinung entfernt hat, dann ist es doch durchaus möglich, dass die Zahl der Radikalen sinkt, wenn  sich ihre Position der Durchschnittsmeinung annähert. Genauso ist es aber auch möglich, dass die Zahl der Radikalen zurückgeht, weil sich die gesellschaftliche Norm auf sie zu bewegt.

Welcher der beiden Fälle wird wohl eingetreten sein, in einem Bundesland, das von einem Ministerpräsidenten regiert wird, der als Antwort auf Jugendgewalt mit Abschiebung droht, Kopftücher auch bei Schülerinnen per Gesetz verbieten lassen will und auch sonst gerne mal mit der rechtspopulistischen Keule schwingt?

6 comments Januar 10, 2008

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