Übrigens (1)
º Auch von noch so wohlgesonnen Freunden wird es als Fauxpas empfunden, wenn man sich mit folgenden gut gemeinten, aber möglicherweise etwas unbescheidenen Worten aus der heimeligen Runde verabschiedet: „Genug vom Nektar der Weisheit genascht.“ º
Was ich immer schon einmal machen wollte (4): Schlägern
Der Mann, was für ein Wesen!
Stolz, stark, bärtig! Männer fahren LKW. Männer spielen Eishockey. Männer kacken stundenlang. Männer reden über Fußball. Männer bekommen Bierbäuche. Männer spielen Powerchords.
Groß, geradeaus, genau! Männer gehen auf die Jagd. Männer tragen Mützen. Männer philosophieren. Männer basteln an Autos rum. Männer retten Menschenleben. Männer zeugen Söhne.

So stark sie auch manchmal wirken: auch Männer sind nicht unverwundbar.
Was echte Männer ebenfalls tun, sofern sie keine verweichlichten, sportverachtenden, von Natur aus übergewichtigen Intellektuellen sind: schlägern. Zumindest machen sie das in Rotlichtbezirken, in Zeitungen und Filmen, im Fernsehen, im Suff. Orte, Zustände und Medien, die ich zumindest teilweise kenne. Dennoch schlägerte ich nie. Meine Faust brach nie eine Nase, mein Ellbogen nie einen Kiefer. Mein Knie bohrte sich nie in eine Magengrube und auch meine Stirn traf nie auf ein bröckelndes Jochbein. Dabei ist es für den Jäger in uns eine existenzielle, initiierende Erfahrung, einen anderen geschlagen zu haben. Es steckt in uns! Denn sind wir ehrlich: Gründe gibt es genug.
Grund Nr. 1: Frauen. Wenn jemand das Mädchen hat, das du willst, oder er ebenfalls das Mädchen will, das du willst, aber aussichtsreichere Chancen hat, oder er einfach nur das Mädchen will, das du willst, oder er das Mädchen will, das du hast, dann ist das definitiv ein naturgegebener Grund ihm eine reinzuhauen. Der nicht ganz monogame, aber von der Weitergabe seiner Gene besessene Urmensch in uns sagt dann: „Besäße ich bereits eine Sprache und genug psychologisches Wissen, um dich tiefer zu verletzen als ich es mit meinen Fäusten je könnte, würde ich es tun. Aber so…“ Und zack!, hat man die schönste Schlägerei.
Grund Nr. 2: Ehre. Ein wesentlich kulturell ausgeprägterer und damit komplexerer (sprich: kaum nachvollziehbarer) Grund, sich einander nicht die Hand sondern die Faust zu reichen ist die Ehre. Ist diese angekratzt oder gekränkt, kommt es zu einem neurochemischen Prozess, den der Wissenschaftlicher in seinem abgehobenen akademischen Duktus als „Rotsehen“ bezeichnet. Ein Beispiel: Des Nächtens spaziert der Einwanderersohn Peter auf winterglattem Wege seiner Wohnung entgegen und gerät ins Rutschen. Achtsame Passanten raten ihm nun: „Obacht geben, länger leben.“ Sich herabgewürdigt fühlend fragt der junge Peter nun, ob die geschwätzigen Passanten meinten, er könne nicht auf sich selbst aufpassen oder leide an einer Behinderung, während er sich der höheren Bewegungsfreiheit wegen seiner Jacke entledigt. An dieser Stelle brechen wir die Erzählung ab, denn es wird wohl jedem klar sein, was nun folgt. Na gut, ein Wort noch: Blutbad.
Mehr Gründe für Schlägereien zu nennen fehlen hier leider der Platz und die Geduld des Lesers, doch reichen bereits diese beiden um sagen, dass einem stoischen Gemüt wie mir nicht so schnell der Hals schwillt, als dass es je zu einem Handgemenge mit meiner Beteiligung gekommen wäre. Dabei stell ich es mir schön vor, sich dermaßen gehen zu lassen, dass man vergisst, dass man ein Bär gefangen im Körper eines Jockeys ist und nicht der Bär selbst. So bleibt zu sagen, was der kluge Albaner weiß: „Die Frau und den Maulesel schlägt man mit Holz, einen Mann mit Worten.“
Die Welt durchs Googleauge
Letzte Woche hat sich der 32-jährige Fußballprofi Robert Enke das Leben genommen.
Das Medienecho, aber auch die Anteilnahme waren so groß, dass es wohl kaum jemanden in Deutschland gibt, der nichts davon mitbekommen hat. Doch auch außerhalb Deutschlands hat der Selbstmord des Torhüters Wellen geschlagen. Allerdings nicht überall gleichhohe. So ist es nicht verwunderlich, dass das Interesse in fußballbegeisterten Ländern mit reger Sportpresse groß war. In England, Irland, Spanien und Portugal dominiert Robert Enke die Googlesucheingaben genauso wie in Deutschland (Beispiel England). Anders in Italien: auch hier ist die Fußballbegeisterung groß, auch hier gibt es große Sportzeitungen, dennoch taucht Robert Enke nicht einmal in den Top 10 der Suchanfragen auf. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Frankreich. Die deutschsprachigen Nachbarn wiederum suchen ähnlich wie die Deutschen sehr häufig nach Robert Enke oder seiner Frau. Die östlichen wie auch die westlichen Nachbarn hingegen scheinen noch nicht einmal von den Ereignissen gehört zu haben.
Wie erklären sich nun diese Unterschiede? Zunächst zu Spanien und Portugal: Robert Enke hatte in beiden Ländern Karrierestationen, vor dem Pokalspiel von Barcelona am Dienstag gab es eine Schweigeminute. Die Anteilnahme ist also nicht sonderlich verwunderlich, man kannte und schätzte ihn. England betont zwar stets die große Konkurrenz zu Deutschland, doch zeigt die Insel offensichtlich Interesse am Geschehen auf dem Festland. Anders Frankreich, Italien, Belgien, Holland, Polen und Tschechien, wo man sich entweder extrem wenig um Fußball oder aber um Deutschland schert. Der Schweiz und Österreich zu guter Letzt bleibt wohl nichts anderes übrig als die deutschen Interessen zu teilen. Zu groß scheint hier die mediale Vorherrschaft der Deutschen. Ob es sich bei den Suchanfragen tatsächlich um Anteilnahme oder reine Neugier handelt, kann Google natürlich nicht beantworten, aber aufschlussreich ist das Stöbern in den Statistiken allemal.
Siegen – Stadt des Sodbrennens
Ich weiß, lieber Leser, du bist klug, du bist belesen, du siehst nie fern. Und wenn du fernsiehst, dann nur ARTE. Wenn nicht ARTE, dann immerhin öffentlich-rechtlich. Und sollte dein Finger auf der Fernbedienung doch einmal einen Privatsender erwischt haben, dann nur bei diesen hochklassigen amerikanischen Serien, die ohnehin in deinem DVD-Regal stehen, damit du sie nicht in den unsäglichen deutschen Synchronversionen gucken musst. Du siehst sie also im Privatfernsehen auf Deutsch, um dich sicherheitshalber noch einmal davon zu überzeugen, dass das, was sich das Fußvolk da reinzieht, gar nicht geht. Das ist edel, doch spätestens bei der Werbung bist du raus. So kommt es, dass dir womöglich gar nicht aufgefallen ist, dass es eine neue Volkskrankheit gibt. Sie brennt, sie schmeckt gallig, sie macht unattraktiv. Doch Lösung ist nicht nur in Aussicht, sie ist sogar allgegenwärtig. Denn ein ganzes Geschwader an Pillen, Gels und Pulvern will dafür sorgen, dass wir nicht mehr leiden müssen an dieser Geißel der Menschheit, diesem Dämon im Brustkorb, diesem Roland Koch der Krankheiten: Sodbrennen.

Nicht nur der Frau mit der Axt im Kopf sollten Sie im Wartezimmer den Vortritt lassen.
Laut dubioser Statistiken, aber immerhin schwarz auf weiß, kennen 40% der Deutschen die Beschwerden von Sodbrennen aus eigener Erfahrung, 20% leiden genau in diesem Augenblick, da Menschen Sex haben, Gedichte geschrieben und Blumenwiesen durchschritten werden, unter Sodbrennen. Sie werfen sich zu Boden vor Schmerzen, krümmen sich, grünliche Flüssigkeit rinnt ihnen aus dem maladen Schlund. Kurzum: sie verlieren nicht nur ihre kindliche Unbedarftheit, ihren Drive, ihre Aura, nein, sie verlieren ihre Würde. Was wäre nun die Pharmaindustrie für ein herzloses Wesen, würde sie sich der geschundenen Kreaturen nicht annehmen? Du ahnst es, göttliche Gestalt eines Lesers, sie wäre nicht sie selbst! Und so kommt es, dass sie uns nicht irgendein Allerweltspülverchen vor die Füße wirft und uns mit Risiken und Nebenwirkungen behelligt. Stattdessen entwickelt sie ungefähr zwölf hochwirksame Mittel und lässt uns an deren Segen teilhaben. Für den smarten Vielflieger gibt es Omeloxan, für den blauen Typen von den X-Men Buscogast, für das Kind im Manne Gaviscon (Feuerwehr!) und für alle, die sich davon nicht angesprochen fühlen noch Pantozol, Riopan, Maaloxan… Wer eher auf Oldschoolprodukte schwört, wird sich Bullrichsalz einverleiben. Wie gesagt, für jeden ist etwas dabei. Erstaunlich aber, dass in anderen Ländern eher Frauen von Sodbrennen betroffen sind (Buscogast England, Pantozol Holland). Liegt das am Namen? Heartburn hat schließlich doch eine romantischere Note als das hölzern-saure Sodbrennen. Sollte es nun auch in dir gären, weißt du, dass da kein Inkubus auf deiner Brust sitzt, sondern dass du an einer Krankheit leidest, die leicht durch nicht-verschreibungspflichtige teure Medikamente geheilt werden kann.
Was das ganze nun mit Siegen zu tun hat? Nun, glaubt man den Googletrends, ist Sodbrennen eine Frage der Herkunft und Siegen ein echter Brennpunkt. Gesegnet ist wie so häufig der Bayer im Allgemeinen und der Münchner im Speziellen: in den Sodbrenntopten findet man München, fast wie den gesamten Süden, nicht.
Barcelona
Traurig aber wahr: auch das Reisetagebuch für Barcelona umfasst keine drei Tage. Es ist eine Schande! Ausrede in diesem Fall: Mentalitätsassimilation. Klar würde eine Siesta auch dazu einladen, Erinnerungen Revue passieren zu lassen und niederzuschreiben, aber in erster Linie wird sie dazu genutzt, zu essen und zu schlafen. Und außerdem – das fällt mir ein, nun da ich tatsächlich Erinnerungen Revue passieren lasse – war mein edler Kugelschreiber, ein Ostergeschenk meiner lieben Mutter, defekt. Selbst Karten, die ich mit viel Liebe anzufertigen gedachte, verkamen zu kurz angebundenen kalligrafischen Katastrophen. Wie soll man mit so einem Schreibgerät erst Geschichten niederschreiben, die über den Inhalt einer Postkarte hinausgehen? Eben. Diese Einleitung nun schafft genau die richtige Stimmung für folgende Geschichte, die eine grausame Wahrheit über Barcelona kundtut.

Die Eltern warnten, dass man sich vor den Taschendieben in Acht nehmen solle, sie hätten es im Fernsehen gesehen, wie es dort zugehe. Und auch entfernten Bekannten fällt zum Thema Barcelona nicht mehr ein als „Räuber, Diebe, Schwerenöter!“. Der Reiseführer warnt, dass man sich seine selige Urlaubsstimmung nicht von den ansonsten harmlosen Taschendieben verderben lassen solle. Das fällt einem als Redakteur, der allein auf Rechnung des Spesenkontos reist und in jungen Jahren eine schwere Malaria überstanden hat, die ihm zeigte, dass es im Leben nicht auf materielle Werte ankommt, sicher leichter als als armen 08/15-Touri. Denn die Horrorgeschichten um die Horden von Taschendieben auf den Ramblas und um sie herum sind wahr. Schon am ersten Abend sind 50 deutsche Euro gestohlen. Nun pass gut auf, geehrter Leser, denn wenn man so einen Diebstahl einmal miterlebt hat (und die Schilderung wird so plastisch werden, dass es sich anfühlt, als wärst du der Bestohlene), sollte es einem kein zweites Mal (außer vielleicht betrunken oder unter dem Einfluss harter Drogen) passieren, so plump ist die Vorgehensweise.
„Hello my Friend!“ (So macht der Dieb auf sich aufmerksam und weist sich als solcher aus.)
„Where are you going tonight? You like party?“ (Das ist sein Türöffner, denn natürlich LIEBEN wir Party.)
„Go to the Club XY! Look, I have a flyer!“ (Hier wird man nun darauf aufmerksam gemacht, dass der nette Onkel eher von der penetranten Sorte ist und man sich darauf konzentrieren sollte, ihn möglichst charmant abzuwimmeln. Doch Vorsicht…!)
„I show you how the girls are dancing there!“ (Das ist der Satz, zu dem ein offensichtlich irritierender Griff an die Gürtelschnalle folgt sowie ein weniger auffälliger Griff zur Geldbörse.)
„Okay my Friends, have a good night!“ (Der Mann verlässt die Bühne.)
Während man also froh ist, einen Plagegeist losgeworden zu sein, ist andernorts ein Dieb froh, dass man es ihm doch immer wieder so einfach macht. Laut Guardia Civil erkennt man einen Dieb übrigens daran, dass er schwarz oder mindestens Araber ist. Das macht dann allerdings die Ermittlungen recht schwer, die sehen ja schließlich alle gleich aus.
Zur Europawahl
Der Jugend wird von älteren Semestern ja häufig vorgeworfen, sie sei verroht, sie habe keine Werte, sie sei im Großen und Ganzen der Sargnagel des ohnehin dem Untergang geweihten Abendlandes. Immer wieder hört man dann wiederum, dass das nun mal schon immer so war, dass auch zu Platos Zeiten schon die Jugend gescholten wurde und wir heute dennoch long and prosper leben. Auch Jesus durfte sich womöglich von seinem unleiblichen Vater Josef höhnische Bemerkungen zu seiner Frisur gefallen lassen und sich anhören, wie sehr er der Familie und dem Judentum doch schade.
Doch nun, bei der Europawahl, was seh ich da auf dem Stimmzettel? Zwei Jugendparteien, die Party für alle fordern? Nein. Die Anarchische Adoleszenzpartei, die die Schulen abschaffen will? Nein. Die Piratenpartei, die das Urheberrecht einstampfen will, um die Jugend zu entkriminalisieren? Zugegeben. Aber darüberhinaus? Ganze vier Parteien, die sich einzig und allein den Interessen von Rentnern widmen! Die Grauen, 50Plus, die RRP (Rentnerinnen und Rentner Partei) sowie die Rentner-Partei Deutschland buhlen um die Stimmen der Generation Ü-50.

„Uns geht es soooooo schlecht!“
Was fordern diese Parteien nun? Bequemere Parkbänke? Mehr Zeit für ihre Enkel? Nein. Die Alten waren auch mal jung, verroht und wertfrei, und fordern das, was auch der profanste Idiot noch fordern würde: mehr Geld. „Das Geld ist für die Banken frei, an uns Rentnern geht’s vorbei.“ Da nagen ganze Alterskohorten am Hungertuch und die EU schaut tatenlos zu, während Milliarden in den Erhalt eines Systems gepumpt werden, mit dem sie doch gar nichts zu tun haben, die Alten. Denken sie jedenfalls offensichtlich. Doch woher kommt die Rente eigentlich? Das weiß jeder ganz genau, der auch nur annähernd den Generationenvertrag kennt. Es handelt sich nicht um Ersparnisse und Reserven, die angelegt wurden, als man noch berufstätig war, nein, das Geld wird von allen derzeitig Erwerbstätigen erwirtschaftet. Wer also mehr Rente fordert, meint entweder, dass die Erwerbstätigen zu wenig erwirtschaften oder dass ihm schlicht und einfach mehr vom Kuchen zusteht. Gerade in Zeiten der Krise scheinen beide Positionen wenig angebracht.
Warum, liebe Rentner, nicht einfach mal selbstlos nach mehr Bildung für alle schreien? Warum nicht für Werte eintreten, die sich nicht in Ziffern auf dem eigenen Konto darstellen lassen, sondern einfach nur nötig sind, weil sie gut sind? Warum nur an das Jetzt denken und nicht an die Zukunft? Wo zeigt sich das Plus an Charakter oder Weisheit, dass euch von der Jugend abhebt? Mehrhabenwollen ist sicher keine Tugend, für die es sich zu kämpfen lohnt. Jesus hätte seinem Rentnervater sicher einen ganz einfachen Satz entgegnet: Geben ist seliger als nehmen. Und auch mit 100 hat man doch wohl sicher noch mehr zu geben als seinen Senf zur leidigen Rentendebatte.
Was ich immer schon einmal machen wollte (3): eine Mulattin heiraten
Ich würde gerne eine Mulattin heiraten, weil Mulattinnen häufig sehr hübsch sind. Das mag ein Klischee sein, aber es ist ein ebenso angenehmes Klischee wie das, dass alle Schwedinnen heiß sind. Solange man es nicht in Zweifel zieht oder man auf irgendeine Weise mit der grausamen Realität konfrontiert wird, lebt man mit solchen Klischees ziemlich gut. Leider ist es aber so, dass man Mulatte nicht mehr sagen darf. Dem Begriff haftet eine rassistische Konnotation an, deshalb sollte er –gerade im Angesicht unserer Vergangenheit- vermieden werden. Ein Mulatte ist ein Mensch, dessen einer Elternteil schwarz ist, der andere weiß. Ich wäre mit dieser Bezeichnung aber vorsichtig, denn ich bin mir nicht sicher, ob man Menschen, die eine dunkle Hautfarbe haben, als schwarz bezeichnen darf. Menschen mit heller Hautfarbe darf man aber meines Wissens nach als Weiße bezeichnen, so wie man zu blonden Menschen auch Blondine sagen darf (Bei Rothaarigen sollte man dasselbe vielleicht nicht tun, auch sie sind empfindlich, was Diskriminierung anhand gewisser Körpermerkmale angeht). Das mag daran liegen, dass Weiße als solche nie rassistisch verfolgt wurden. Sie wurden weiter unterschieden, beispielsweise in Arier, Juden, Zigeuner usw. Auch das vielleicht schon eine Art von Rassismus, dass man die eine Hautfarbe nur als diffuse Masse wahrnimmt, die andere aber bis ins kleinste zergliedert. Vielleicht auch einfach nur dem Unterscheidungswahn sämtlicher Nazis geschuldet.

„Rüschtüsch, mein Vater is schwarz, meine Mutter weiß.“
Wie der Begriff Nigger in den USA, wird angeblich auch Mulatte als Selbstbezeichnung der entsprechenden Gruppe verwendet. Das kann man doof finden und ist wohl auch doof, da man hier versucht, sich über ein negatives Außenbild selbst zu definieren. Ein Mulatte ist ein Mischling. Aber ist diese Bezeichnung nicht weniger schwierig. Vor die jeweilige Nationalität einfach ein „Afro“ zu setzten, um zu sagen, dass man eine dunklere Haut hat als der Durchschnitt, ist auch schwierig, wenn man mit Afrika so viel am Hut hat, wie ich mit den Wikingern. Ich werde also keine Mulattin heiraten. Auch keinen Mischling und keine Afrowasauchimmer. Vielleicht einfach eine, die weniger Sonnencreme braucht als ich?
Was ich immer schon einmal machen wollte (2): Lachsconfit
Die Erfahrung zeigt, dass die Frau von heute im Gegensatz zur Frau von gestern nicht mehr so gerne und gut kocht. Statt Rinderrouladen wird Salat mit Zeug hergestellt und gegessen, egal ob das einen männlichen Mittzwanziger satt und froh macht oder nicht. Deshalb ist Mann von heute, sofern er nicht mehr bei Mama wohnt, gezwungen, sich selbst an den Herd zu stellen und Fleischgerichte zu zaubern. Wie so häufig hat die Emanzipation auch beim Kochen nicht dazu geführt, dass sich beide Geschlechter einer Sache gleichgut widmen, sondern dass der eine seine Domäne aufgibt und der andere sie mehr oder weniger erfolgreich ausfüllt. So kommt es, dass eine ganze Generation junger Männer im Verhältnis zu ihren Altersgenossinnen erstaunlich gut kocht.

Wow, selbst geputzt!
Und diese Generation ist über Spiegelei und Spaghetti hinausgewachsen. Sie will Herausforderungen! Sie will beeindrucken! Sie will Meisterschaft! Jakobsmuscheln, Koberind, Wachteln! Spargel, Trüffel, Topinambur! Ingwer, Koriander, Kerbelwurzel!
Ich persönlich bin in diesem Zusammenhang auf ein Gericht gestoßen, das zunächst leicht pervers anmutet. Und damit ist tatsächlich nicht perverslecker gemeint, sondern pervers im Sinne von Sprechkäsefetisch. Denn wie es sich für ein Confit gehört wird hier Fleisch oder Fisch in sehr viel Öl gegart, was ursprünglich dazu diente, beispielsweise Gänsefleisch haltbar zu machen. Das Rezept ist eigentlich ganz einfach: man salze ein schönes Stück Lachs leicht ein, heize 2 Liter Olivenöl in einer feuerfesten Form im Ofen auf 40°C und lasse den Lachs darin 50 Minuten gar ziehen. Der Clou daran soll sein, dass der Lachs, der sonst gerne trocken wird, dies eben nicht tut und lachsiger schmeckt denn je. Im Gegensatz zum Frittieren ist das Öl allerdings vergleichsweise kalt, weshalb man sich kaum vorstellen kann, dass sich der Fisch nicht mit Öl vollsaugt und man praktisch auf einem Stück Olivenöl kaut, wenn man sich überwunden hat, den Mund zu öffnen.

Klingt nicht nur nicht so lecker, sieht auch nicht so lecker aus: Lachsconfit.
Zeugen berichten, dass der Fisch in der Tat überhaupt nicht nach Fett schmecke und sie selten besseren Lachs gegessen hätten. Nichtsdestotrotz habe ich es bis jetzt nicht gewagt, ein Stück Lachs (Sushiqualität) in Literweise (schönem) Olivenöl zu versenken. Der Kocholymp blieb mir damit bisher verschlossen. Solltest du mehr Eier haben, melde dich!
Was ich immer schon einmal machen wollte (1): Bayerntrainer sein
Fußball ist die schönste aller Sportarten. Man rennt, man kämpft, man schießt Tore. Die etwas besseren machen zwischendrin auch ab und zu einen Trick, die etwas schlechteren ein grobes Foul oder dumme Fehler; aber im Grunde reichen doch die ersten drei genannten Tätigkeiten, um Fußball zu spielen. Dass daraus ein riesiges Medienereignis, ein Kulturspektakel, der größte Sport überhaupt entstehen kann, ist wohl schwer nachzuvollziehen. Aber wer das schon nicht versteht, wird beim Gedanken an Paris Hilton wohl vollkommen den Verstand verlieren. Es ist, wie es ist, und der größte Verein der Welt oder immerhin Europas oder immerhin Deutschlands ist der große FC Bayern München. 21 Mal (bald 22) Deutscher Meister, 14 Mal DFB-Pokalsieger, 6 Mal Ligapokalsieger und auch international ab und zu ganz gut dabei (Champions League-Sieger 1974, 1975, 1976, 2001; UEFA-Pokalsieger 1996; Weltpokalsieger 1976, 2001).

Grobes Foul oder dummer Fehler? Manchmal schwer zu unterscheiden.
Um es als Spieler bis in diese Mannschaft zu schaffen, würde es für mich noch nicht einmal reichen, wenn alle auf Lell-Niveau spielten. Zumal der Zug nicht nur was das Talent angeht abgefahren ist, sondern auch was das Alter angeht. Mein Weg ist also der eines José Mourinho: vom talentfreien Spieler zum erfolgreichen Trainer. Jürgen Klinsmann (vom talentreichen Spieler zum erfolgsfreien Trainer), wurde soeben beim FC Bayern entlassen, Jupp Heynckes (geschätzte 125 Jahre) wurde als Interimstrainer engagiert. Es würde mich nicht wundern, wenn Uli Hoeneß auf der Suche nach einem Nachfolger auf mich aufmerksam werden würde. Ich bin charismatisch, ich kann schreien und ich kann nicht nur ein Spiel lesen, sondern auch den Spielbericht. Ich würde eine Mannschaft aufbauen, die mit einem epochemachenden 4-3-3 (adieu Raute, adieu Doppelsechs) Europas Elite schwindelig spielt und die Bundesliga im Vorbeigehen dominiert. Es gäbe keine Ottls oder Lells mehr, keine Rowdies wie van Bommel oder Stackser wie Luca Toni. Nur noch technisch versierte, junge Talente, die das Gesicht des Clubs über Jahre prägen und an die Epoche Mitte der 70er erinnern.
Aber nein, an der Säbener Straße werden weiterhin engstirnig kleine Brötchen gebacken. Statt ein bis zwei Jahre auf einen Titel zu verzichten, um dann erst recht und mit größerer Vehemenz zuzuschlagen, fährt man das Sicherheitsprogramm und wundert sich, warum man nicht mehr zur Crème in Europa gehört. Lieber FCB, wenn du mich nett bitten würdest, nähme ich die langwierige Trainerausbildung auf mich. Ich würde mich hocharbeiten, vom Jugendtrainer zu den Amateuren bis zu den Lehrgängen, auf die Matthias Sammer so viel Wert legt. Ich würde den Fans klarmachen, dass wir erst einmal nicht ganz oben mitspielen, dass es aber auch einen Fan ausmacht, nicht gleich zu buhen, wenn mal nicht alles rund läuft. Ich würde mit meinen Einwechslungen das berühmte goldene Händchen beweisen. Ich würde ein Finale verlieren. Ich würde meine Mannschaft schließlich doch zu Meisterschaften führen und meine Spieler würden beim Verein bleiben, auch wenn andere Clubs mit dickeren Geldbündeln wedeln.
Und irgendwann stünden wir dann im Mittelkreis eines der größten Stadien Europas und würden diesen riesigen Pott in die Höhe stemmen. Du und ich, lieber FCB…

Was ich immer schon einmal machen wollte
Der Mensch ist voller Rätsel und voller Wünsche. Ein Beispiel: ich wollte vor kurzem (zumindest im Blog ist es nicht weit von hier entfernt) eine Inventur des Lebens durchführen. 30 Artikel an 30 Tagen. Jeden Tag ein Text über einen Gegenstand in meiner Wohnung, der mehr ist als nur dieser Gegenstand. Ein frommer Wunsch wie sich herausstellte.

Ich wollte nie Baseballastronaut werden.
Hier nun das Rätsel: wie kam es dazu? Wie konnte ich diese grandiose Idee –praktisch mein eigen Fleisch und Blut- so im Sand verlaufen lassen? Es gab durchaus positives Feedback für die ersten Episoden, ich hätte mich angestachelt fühlen können. Stattdessen gab ich mich der Prokrastination, der Aufschieberitis, hin und erfand jeden Tag neue Gründe, warum ich morgen sicher einen besseren Artikel schreiben würde als heute. „Morgen, morgen, nur nicht heute sagen alle faulen Leute.“ Danke, Volksmund. Aber ist man tatsächlich faul, wenn man etwas –egal was- exzessiv betreibt? Ist ein Partylöwe faul? Der Computer ist ein Arbeitsgerät. Wenn man den ganzen Tag davor sitzt, ist man doch nicht faul, oder? Im Aufschieben jedenfalls bin ich alles andere als faul. Und die gewonnene Zeit ist auch alles andere als Muße. Man fühlt sich ungut, man hat ein schlechtes Gewissen, ein großes Gewicht drückt einem auf die Schultern. Muss man am Ende des Tages immer gleich was Neues geschaffen haben? Und gibt es nicht noch viel mehr Gründe dafür, warum man Dinge, die man eigentlich gern täte, nicht tut? Wie wär’s mit Feigheit? Oder mal ein positives Attribut: Respekt? Egal aus welchen Gründen, ich gewisse Dinge nicht tue, die nächsten Texte sollen sich um Dinge drehen, die ich einmal machen wollte. Vielleicht werde ich die Gründe verraten, vielleicht werden die Dinge auch irgendwann einfach getan. Und vielleicht, lieber Leser (oder noch lieber: liebe Leserin), findest du dich, deine Wünsche und deine Rätsel selbst wieder. Vielleicht warst du aber auch einfach stärker und hast sie schon getan. Dann berichte!
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