Felix – Ich, wie es wirklich war

Barcelona

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Kultur, Politik von felixander am September 23, 2009

Traurig aber wahr: auch das Reisetagebuch für Barcelona umfasst keine drei Tage. Es ist eine Schande! Ausrede in diesem Fall: Mentalitätsassimilation. Klar würde eine Siesta auch dazu einladen, Erinnerungen Revue passieren zu lassen und niederzuschreiben, aber in erster Linie wird sie dazu genutzt, zu essen und zu schlafen. Und außerdem – das fällt mir ein, nun da ich tatsächlich Erinnerungen Revue passieren lasse – war mein edler Kugelschreiber, ein Ostergeschenk meiner lieben Mutter, defekt. Selbst Karten, die ich mit viel Liebe anzufertigen gedachte, verkamen zu kurz angebundenen kalligrafischen Katastrophen. Wie soll man mit so einem Schreibgerät erst Geschichten niederschreiben, die über den Inhalt einer Postkarte hinausgehen? Eben. Diese Einleitung nun schafft genau die richtige Stimmung für folgende Geschichte, die eine grausame Wahrheit über Barcelona kundtut.

Die Eltern warnten, dass man sich vor den Taschendieben in Acht nehmen solle, sie hätten es im Fernsehen gesehen, wie es dort zugehe. Und auch entfernten Bekannten fällt zum Thema Barcelona nicht mehr ein als „Räuber, Diebe, Schwerenöter!“. Der Reiseführer warnt, dass man sich seine selige Urlaubsstimmung nicht von den ansonsten harmlosen Taschendieben verderben lassen solle. Das fällt einem als Redakteur, der allein auf Rechnung des Spesenkontos reist und in jungen Jahren eine schwere Malaria überstanden hat, die ihm zeigte, dass es im Leben nicht auf materielle Werte ankommt, sicher leichter als als armen 08/15-Touri. Denn die Horrorgeschichten um die Horden von Taschendieben auf den Ramblas und um sie herum sind wahr. Schon am ersten Abend sind 50 deutsche Euro gestohlen. Nun pass gut auf, geehrter Leser, denn wenn man so einen Diebstahl einmal miterlebt hat (und die Schilderung wird so plastisch werden, dass es sich anfühlt, als wärst du der Bestohlene), sollte es einem kein zweites Mal (außer vielleicht betrunken oder unter dem Einfluss harter Drogen) passieren, so plump ist die Vorgehensweise.

„Hello my Friend!“ (So macht der Dieb auf sich aufmerksam und weist sich als solcher aus.)

„Where are you going tonight? You like party?“ (Das ist sein Türöffner, denn natürlich LIEBEN wir Party.)

„Go to the Club XY! Look, I have a flyer!“ (Hier wird man nun darauf aufmerksam gemacht, dass der nette Onkel eher von der penetranten Sorte ist und man sich darauf konzentrieren sollte, ihn möglichst charmant abzuwimmeln. Doch Vorsicht…!)

„I show you how the girls are dancing there!“ (Das ist der Satz, zu dem ein offensichtlich irritierender Griff an die Gürtelschnalle folgt sowie ein weniger auffälliger Griff zur Geldbörse.)

„Okay my Friends, have a good night!“ (Der Mann verlässt die Bühne.)

Während man also froh ist, einen Plagegeist losgeworden zu sein, ist andernorts ein Dieb froh, dass man es ihm doch immer wieder so einfach macht. Laut Guardia Civil erkennt man einen Dieb übrigens daran, dass er schwarz oder mindestens Araber ist. Das macht dann allerdings die Ermittlungen recht schwer, die sehen ja schließlich alle gleich aus.