Felix – Ich, wie es wirklich war

Was ich immer schon einmal machen wollte (2): Lachsconfit

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Kultur von felixander am Mai 12, 2009

Die Erfahrung zeigt, dass die Frau von heute im Gegensatz zur Frau von gestern nicht mehr so gerne und gut kocht. Statt Rinderrouladen wird Salat mit Zeug hergestellt und gegessen, egal ob das einen männlichen Mittzwanziger satt und froh macht oder nicht. Deshalb ist Mann von heute, sofern er nicht mehr bei Mama wohnt, gezwungen, sich selbst an den Herd zu stellen und Fleischgerichte zu zaubern. Wie so häufig hat die Emanzipation auch beim Kochen nicht dazu geführt, dass sich beide Geschlechter einer Sache gleichgut widmen, sondern dass der eine seine Domäne aufgibt und der andere sie mehr oder weniger erfolgreich ausfüllt. So kommt es, dass eine ganze Generation junger Männer im Verhältnis zu ihren Altersgenossinnen erstaunlich gut kocht.


Wow, selbst geputzt!

Und diese Generation ist über Spiegelei und Spaghetti hinausgewachsen. Sie will Herausforderungen! Sie will beeindrucken! Sie will Meisterschaft! Jakobsmuscheln, Koberind, Wachteln! Spargel, Trüffel, Topinambur! Ingwer, Koriander, Kerbelwurzel!

Ich persönlich bin in diesem Zusammenhang auf ein Gericht gestoßen, das zunächst leicht pervers anmutet. Und damit ist tatsächlich nicht perverslecker gemeint, sondern pervers im Sinne von Sprechkäsefetisch. Denn wie es sich für ein Confit gehört wird hier Fleisch oder Fisch in sehr viel Öl gegart, was ursprünglich dazu diente, beispielsweise Gänsefleisch haltbar zu machen. Das Rezept ist eigentlich ganz einfach: man salze ein schönes Stück Lachs leicht ein, heize 2 Liter Olivenöl in einer feuerfesten Form im Ofen auf 40°C und lasse den Lachs darin 50 Minuten gar ziehen. Der Clou daran soll sein, dass der Lachs, der sonst gerne trocken wird, dies eben nicht tut und lachsiger schmeckt denn je. Im Gegensatz zum Frittieren ist das Öl allerdings vergleichsweise kalt, weshalb man sich kaum vorstellen kann, dass sich der Fisch nicht mit Öl vollsaugt und man praktisch auf einem Stück Olivenöl kaut, wenn man sich überwunden hat, den Mund zu öffnen.


Klingt nicht nur nicht so lecker, sieht auch nicht so lecker aus: Lachsconfit.

Zeugen berichten, dass der Fisch in der Tat überhaupt nicht nach Fett schmecke und sie selten besseren Lachs gegessen hätten. Nichtsdestotrotz habe ich es bis jetzt nicht gewagt, ein Stück Lachs (Sushiqualität) in Literweise (schönem) Olivenöl zu versenken. Der Kocholymp blieb mir damit bisher verschlossen. Solltest du mehr Eier haben, melde dich!

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