Felix – Ich, wie es wirklich war

9 Beobachtungen zum ersten EM-Tag

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Kultur, Medien, Spocht von felixander am Juni 7, 2008

1. Die werten Gastgeber in der Schweiz haben ganz klar erkannt, dass kein Mensch Eröffnungsfeiern sehen mag/ sehen kann/ zu ertragen gewillt ist/ gut findet. Deshalb wurde ein Proforma-Freiwilligen-Ballett aufgezogen, das -dem Himmel sei Dank- sein Spektakel innerhalb von etwas über zehn Minuten runternudeln konnte.

2. Das Highlight für Béla Réthy an der Eröffnungsfeier war sicherlich der Auftritt von Miss Switzerland 2007. Man konnte deutlich hören, wie er verärgert den Schaum vor seinem Mund wegwischte, als der Regisseur von ihren Brüsten auf tanzende Kinder -oder schlimmer: Sepp Blatter- schnitt.

3. Dem ZDF ist offensichtlich nicht klar, dass die meisten Menschen nur äußerst widerwillig ihre Fernsehgebühren bezahlen. Wie sonst ist es zu erklären, dass man einen Studioaufbau in den Bodensee stellt, der in seinem Größenwahn an Wetten, dass erinnert?

4. Und überhaupt das Studio: eine Tribüne für 5000 Zuschauer?! Ein riesiges, grusliges Auge im Hintergrund, das man wegen seiner Geschmacklosigkeit bei Uri Geller oder auf der Expo erwarten würde!?

5. Wenn man einen Mann weinen sehen will, muss man nur den schweizer Fußball im Beisein von Urs Meyer erwähnen.

6. Was 2006 Jan „Chubaka“ Koller war, ist bei dieser EM Alexander Frei. Schade, wenn so einer so früh wegen einer Verletzung ausscheidet. Und wegen ihm dann sein ganzes Team.

7. Béla Réthy lobte beim Spiel Schweiz-Tschechien die Integrationsarbeit der Schweizer, weil bei ihnen so viele Spieler mit Migrationshintergrund in der Mannschaft stünden. So gesehen sollte sich die schweizer Politik die Frage gefallen lassen, warum man echte Verstärkungen wie Rakitic oder Petric nicht integrieren konnte, sondern eher fußballerische Schweizer wie Yakin oder Vonlanthen.

8. Der wichtigste Spieler der Portugiesen heißt nicht Cristiano Ronaldo, sondern Deco (sprich: Dehkuh). Er ist der Michael Ballack Portugals, seine Diagonalpässe würden auch einen Stefan Effenberg oder David Beckham stolz machen.

9. Die auffällige Humorlosigkeit deutscher Sportreporter gleicht einem Trauerspiel. Technische Pannen werden hilflos hingenommen, eigene Fehler werden peinlich ergriffen hastig korrigiert oder am liebsten gleich ignoriert. Der Vorteil: laufen Formel 1 auf RTL und Fußball im ZDF gleichzeitig, sieht man sich als Zuschauer keinerlei Niveauänderung ausgesetzt und kann so vollends in die schöne Welt des Sports eintauchen.

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