Felix – Ich, wie es wirklich war

Der Bart des Mannes

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn, Fernsehen, Kultur, Medien von felixander am Mai 14, 2008

Die CDU gewinnt nun schon zum zweiten Mal (in meinem politischen Bewusstsein) eine Bundestagswahl aufgrund eines Bartträgers. Und das nicht, weil Bartträger so beliebt wären, sondern weil sie für die SPD kandidieren (Scharping gegen Kohl, Beck gegen Merkel). Der Bart – einst Zeichen von Männlichkeit oder immerhin modisches Accessoire – ist für Wirtschafts- und Politikeliten zum absoluten No-Go geworden. Der Bart wird mit Miefigkeit, Piefigkeit, Lehrerhaftigkeit, Gemütlichkeit und Provinzialität in Verbindung gebracht. Das war nicht immer so. Von Thomas Mann bis Adolf Hitler verband das Oberlippenbärtchen die intellektuelle Bourgeoisie mit der braunen Schweinekratie. Den Walrossbart teilten sich vermutlich nicht nur Nietzsche und Bismarck. Und der Backenbart eines J.W. Goethe stand auch einem Mathematikergenie wie C.F. Gauss gut zu Gesicht.

Die Bärte

Auch die ewig adoleszenten Männer im urbanen Raum von heute, zwischen 20 und 45 Jahren, schätzen den Bart. Hier ist er allerdings eher Ausdruck gepflegter Siffigkeit und Nonchalance. Das Proletariat hingegen pflegt den Bart wie seinen Vorgarten, es hat es zu einer nahezu virtuosen Fingerfertigkeit mit dem Trimmmesser seines Rasierapparats gebracht. Hier ist der Bart die kreative Spielwiese eines ansonsten scheinbar tristen Alltags. Oder eben Schwanzverlängerung und Männlichkeitsvergewisserung. Das, was zuviel ans Auto gepappt und geschraubt wird, findet seinen Widerpart im Haarschmuck und nicht umsonst nannte man früher beides „frisieren“.

Kurt Beck möchte nun seinen Bart für eine Million Euro versteigern, um endlich dazuzugehören. Die Frage ist nur: wer soll das zahlen wollen? Die, die über dieses Geld verfügen, sind absichtlich bartlos, warum sollten sie sich einen kaufen? Die, die Kurt Beck ohne Bart und damit eine Bundestagswahl gewinnen sehen wollen, haben erstens nicht das Geld dazu und können zweitens einfach die bartlosen Gysi und Lafontaine wählen. Ich wiederum wäre für diesen Bart durchaus zu begeistern, aber leider ist mein Haupthaar nicht grau und alternative Bartquellen sind sicherlich günstiger.

So wird die für die Elite gemachte, weil von Geburt an bartlose, Angela Merkel ihre zweite Bundestagswahl gewinnen und der Bart weiterhin Erkennungszeichen der wahren Loser sein. Für das Beste im Mann!

Die Arbeit der Nacht

Veröffentlicht in Film, Kultur, Literatur, Medien von felixander am Mai 14, 2008

Ich mag eigentlich nichts schlechtes über Thomas Glavinic sagen, aber von „Die Arbeit der Nacht“ hatte ich mir mehr erwartet. Sicherlich ist die Geschichte nett angelegt und auch nicht schlecht erzählt, aber mir fehlt da die Pointe oder der Clou oder halt etwas, auf das die ganze Sache hinausläuft. Schließlich fängt er ja so groß an!

Die Arbeit der Nacht

Jonas, der Held der Geschichte, wacht in seiner Wiener Wohnung auf und stellt mit wenig Entsetzen fest, dass sowohl Radio, als auch Fernseher als auch Telephon, nicht mehr das tun, was sie sollten. Das liegt allerdings an keiner technischen Störung, sondern schlicht und einfach daran, dass Jonas der einzige Menschen auf Erden ist. Keine Eltern mehr, keine Kollegen, keinen Bäcker und am schlimmsten: keine Marie.

So strampelt sich Jonas durch die leere Stadt, beschäftigt sich mit sinnlosen Umzügen und filmt sich selbst dem Ende entgegen. Mysteriös wird es nur, als Jonas entedeckt, dass er vom Schläfer, seinem eigenen schlafenden Ich, Nacht für Nacht vorgeführt wird. Aber auch das bleibt ein Erzählstrang, der ins Nichts führt.

Entweder habe ich „Die Arbeit der Nacht“ nicht verstanden oder es handelt sich dabei tatsächlich nur um eine Liebeserklärung in menschenleerer Umgebung.  Lieber Thomas, aus sowas macht man doch normalerweise mindestens etwas Existenzphilosophisches! So hat die Geschichte etwas von dem sehr schlechten Film „Deep Impact“ mit Elija Wood: die Welt geht unter, aber am Ende wird geheiratet und alles ist gut.

Das Büro II

Veröffentlicht in Den Menschen wie den Leuten, Der tägliche Wahnsinn, Kultur von felixander am Mai 14, 2008

Zum Abschluss des Praktikums nun der zweite Teil

Cornelius, der Kümmerer: Cornelius ist, ähnlich wie sein Namensvetter bei Arielle, ein väterlich-schwuler Typ. Er sieht ein wenig aus wie die menschliche Vorlage für die Gremlins, klein und knuffig; aber irgendwie auch anämisch. Man rätselt ein wenig über seine sexuelle Orientierung, denn auf der einen Seite ist er Herr über Anschaffungen wie Laptops, Drucker, Mikrofone und sündteure Software (männliche Domäne), auf der anderen Seite schreibt er Aushänge für Toiletten, auf denen er mittels Clipartbilchen um Sauberhaltung bittet.

Hans, der Retter: Hans ist zwei Meter groß, nimmt es sich aber trotzdem raus, bundlose Bad+Mad-Pullover in M zu tragen. Er kann es sich leisten, er ist dennoch einer der begehrtesten Typen, denn: Hans ist IT-ler (nein, nicht [H]itler, IT-Mensch). Wannimmer man in computeresker Not ist und die Kollegen die Fenster öffnen, damit die Flugbahn des hassenswerten Geräts nicht gestört wird, ist er der Mann, der für einen glimpflichen Ausgang sorgt. Er gibt dann eine geheime Zauberformel ein oder streicht dem Betroffenen über die Stirn und schon ist alles wieder gut.

Karin, die Heiße: Karin versucht es durch Dialektverwaschungen zu kaschieren, aber ich bin Sprachwissenschaftler, baby!, und du kommst aus dem Osten, baby! Vielleicht kann ihre Herkunft auch erklären, warum sie aussieht, wie sie aussieht. Man kann sie ohne weiteres für Ende 20 halten, aber tatsächlich ist sie Anfang 40. Im Osten wurde auf Körperkultur geachtet, da wurde auch gut geimpft.  Oder aber sie leidet an migrationsbedingten Minderwertigkeitskomplexen und investiert deshalb besonders viel Energie in ihr Äußeres. Traurig an Karin ist, dass sie sich ihrem jugendlichen Aussehen entsprechend verhält. So ist an ein Altern in Würde nicht zu denken.

Li, die Chinesin: Li kommt ursprünglich aus China, doch sie hat hier studiert und lebt schon lange in Deutschland. Wie fast alle Chinesen neigt sie dazu, merkwürdige Speisen zu sich zu nehmen, die merkwürdig zusammengesetzt sind, merkwürdig riechen und merkwürdig aussehen.  Zum Beispiel Krabbencoktail an Knoblauchring. Verrückt, diese Chinesen. Desweiteren scheint sie auf den ersten Blick unsere Sprache zu sprechen, aber wie das so ist mit den ersten Blicken…sie versteht doch eigentlich kein Wort von dem, was an ihr sagt.