Archive for Dezember 2007
Ho ho ho
Für den zweiten Weihnachstfeiertag wurde ich zu einem Weihnachstraclette zunächst eingeladen, dann wieder ausgeladen, dann wieder eingeladen und wieder ausgeladen. Das alles vermutlich, weil die Freundin des veranstaltenden Freundes keine Lust auf Menschen hatte. Offiziell hieß es bei der ersten Absage, sie leide an Kotzerei, beim zweiten mal war dann Fieber ausgebrochen.
Das alles erinnerte mich irgendwie an eine Folge von „Hör mal, wer da hämmert“ (Home improvement), in der Tim (Tim Allen) seine Freunde zum Superbowl zu sich nach Hause einlädt. Am selben Tag hat Gil (Mum-Darstellerin) aber auch die Grippe und liegt krank im Bett. Statt sich nun tot zu stellen, nervt sie Tim die ganze Zeit und wirft ihm Lieblosigkeit vor, weil er sich eben auch um seine Freunde kümmert. Vor lauter schlechtem Gewissen schickt er seine Freunde heim. Erstaunlicherweise gibt es fast die selbe Geschichte auch bei King of Queens. Doug (Kevin James) schaut mit seinen Freunden den Superbowl, Carry (Leah Remini) fühlt sich gestört und gewinnt am Ende sogar noch.
Was ist los mit diesen Frauen? Können sie sich erst als Opfer durchsetzen? Fühlen sie sich erst als Klotz am Bein wohl? Ich erwarte ja nicht, dass sie die Party schmeißen und Schnittchen schmieren, aber man ist doch nicht ausschließlich Paar, man will doch auch mal feiern oder eben den doofen Superbowl kucken. Ich finde, hier wird ein merkwürdiges Bild von dem entworfen, was man Beziehung nennt. Ein bisschen mehr Freiheit und weniger schlechtes Gewissen darf’s schon sein. Und wenn’s nur scheiß Raclette ist!
Add comment Dezember 28, 2007
Helmut Krausser Poetikvorlesung II. Teil (Aufzeichnungen)
Vorher: Heute erwarte ich mir natürlich etwas mehr als eine Aufzählung von Pathosarten, zumal ich kaum geschlafen habe. Ich will große Ideen oder einen Skandal, irgendetwas, von dem man sagen kann:“…und ich war dabei!“ (In dieser verdammten U-Bahn kann man kaum besser schreiben als während einer Busfahrt.)
Währenddessen: Ein Speichellecker als Vorredner. Auweia! Grausige Anbiederei. Es muss scheiße sein, die falschen Fans zu haben.
Mit einem Bein im Grab stehen, mit dem anderen auf einer Bananenschale.
Skandal ausgeschlossen, anything goes, niemand wird sich hier je angepisst fühlen, die hinterfotzigeren Feuilletonisten waren schon beim letzten Mal da und Krausser selbst haut auch nicht so auf den Putz.
So ein Autor wird ja kaum Groupies haben, eher so übereifrige Fans, mit denen er dann nach der Veranstaltung noch essen gehen muss. Anstrengend. Es ist doch immer wieder schön, ein kleines Licht zu sein.
Danach: Was ich hier notiert habe, behalt ich besser für mich. Nur so viel: ich schließe, dass man sogar mit Kraussers Pathostheorie erklären kann, dass eine meiner Exfreundinnen ein Arschloch ist (weil sie Melodien ablehnt usw.).
5 comments Dezember 28, 2007
Viele Köche verderben
Gestern ereiferte sich einer meiner Professoren darüber, dass es so viele Kochshows im deutschen Fernsehen gäbe und dass selbst er -ein Gourmet! ein Feinschmecker!- diese Sendungen nicht sehen wolle, aber Menschen, die mit Chips und Bier auf der Couch rumlungerten, sehr wohl sehr gerne zusähen, wie gekocht würde. Weiters müsse er sich darüber wundern, dass ausgerechnet die konservative FAZ die Fülle an Kochsendungen gutheiße, da -so die Frankfurter Feuilletonistenargumentation- es doch schon ein Fortschritt sei, dass die Deutschen jetzt immerhin vermittelt bekämen, dass man Spaghetti nicht unbedingt kleingeschnitten und mit Ketchup essen müsse; Aufklärung sozusagen. So verschieden seien eben die Ansichten…
Und tatsächlich muss man sich wundern. Kochsendungen starteten mit pädagogischem Auftrag, als eine Art Telekolleg Kochen. Grundfrage war vermutlich immer:„Wie werde ich eine gute Hausfrau? Wie mach ich den Braten so grau, dass er Schatz gefällt?“ Noch bis vor ein paar Jahren sah man das den Sendungen von Johann Lafer auch an, es ging zu wie im OP und der Herr und Meister wollte seinen wenigen Zuschauern immer etwas in den Block diktieren. Mittlerweile -und das ist wirklich leicht absurd- sind Kochsendungen Unterhaltungsmainstream. Uns ist doch eigentlich egal, was und wie es da zubereitet wird, neue Rezepte interessieren uns nur marginal, wir wollen nicht kochen lernen oder irgendetwas nachkochen, wir fühlen uns tatsächlich dadurch unterhalten, dass da jemand Essen macht. Kochen ist Entertainment geworden. Freute man sich früher über Ablenkung vom Alltag durch erfundene Geschichten, ist es heute das Alltäglichste der Welt, das uns am Fernseher hält. Brave new World!
4 comments Dezember 19, 2007
Si tu disais…
Geil, Nicolas Sarkozy ist angeblich mit Carla Bruni zusammen. Richtig so, wenn man schon der erste Mann der Grande Nation is, sollte man das nicht ungenutzt lassen. Wann wird wohl Angela endlich Blixa Bargeld heiraten?
Add comment Dezember 17, 2007
Die etwas andere Fortsetzung
Vielleicht noch ein paar Gedanken hierzu. Eigentlich kann man ja die Phrase vom etwas anderen nur dann anwenden, wenn es schon so eine Art Prototyp gibt, von dem man sich abheben kann. Beim etwas anderen Dark Radio oder der etwas anderen Yorkiseite habe ich keine Ahnung, was der Prototyp hierzu sein soll, was natürlich daran liegen kann, dass ich mich mit der Internetpräsenz von Yorkshireterriern noch nicht allzu sehr auseinandergesetzt habe. Dark Radio wiederum klingt einfach zu doof, um wahr zu sein. Aber wie sieht es hiermit aus:
Der etwas andere Wowi.
Prototyp wäre in diesem Fall Klaus Wowereit, allerdings nicht als PDS-Koalitionär, sondern als DER schwule Bürgermeister einer Millionenstadt schlechthin. Ole von Beust wäre nun in dem Sinne etwas anders, dass er seine Etwasandersartigkeit etwas weniger zur Schau stellt und zum Thema macht als sein Berliner Kollege. Natürlich könnte Wowi genauso der etwas andere Ole von Beust sein oder die beiden zusammen wären die etwas anderen Bürgermeister. Es ist so schwierig. Und wie sieht es hiermit aus:
Das etwas andere St. Pauli.
Zugegeben, der FCB ist erfolgreicher oder generell reicher als der FC St. Pauli, und sympathisch wird man auch eher im braunen Piratendress beäugt, aber man hat es als Fan beider Mannschaften nicht immer einfach. Wir sind häufig unverstanden und werden als Fußballintellektulle bzw. -Bonzen gesehen, aber auch wir wollen eigentlich nur schönen Fußball und Franck Ribéry sehen. Na gut, hier wird’s schon wieder holprig. Wirklich sicher bin ich mir nur bei einer Sache:
Der etwas andere Knut.
6 comments Dezember 15, 2007
Das etwas andere Blog
Wenn einem Marketingheini gar nix mehr einfällt, er aber trotzdem noch einen Satz zu seinem Produkt braucht, dann sagt er am allerliebsten: „der/die/das etwas andere…“. So gibt es beispielsweise das etwas andere Suchmaschinenverzeichnis, das etwas andere Reisebüro, das etwas andere Entwöhnungsprogramm, das etwas andere Web, das etwas andere Segellexikon, das etwas andere Plätzchen, das etwas andere Dark Radio, das etwas andere Sporthaus, den etwas anderen Hundesalon, den etwas anderen Webkatalog, den etwas anderen Pferdehandel, den etwas anderen Hochzeitstanz, die etwas andere Kölnseite, die etwas andere Selbstbehauptung, die etwas andere Yorkiseite, die etwas andere Welt, etc.
Was soll das? Ist das nun die blanke Koketterie und soll heißen: „Wir sind so anders, das fasst du nicht, Alter!“ Oder ist das die Kapitulation vor der Ideenlosigkeit und soll heißen: „Keine Ahnung, wo der Unterschied zu dem andern Zeug sein soll, aber irgendwas müssen wir doch sagen, oder?“
Hier mal ein Beispiel für gelungene Werbung:
Das etwas andere schwarz.
6 comments Dezember 14, 2007
Blau, Blau, Blau
Aus der Behindertentoilette im Unigebäude der Psychologen (der so genannte „Schweinchenbau“, angeblich wegen der Farbe, aber wer ein Mal Freud gelesen hat…) strahlte mich heute blaues Junkielicht an. Es gab mal eine Zeit, da wurde in den Toiletten öffentlicher Gebäude blaues Licht installiert, damit eventuelle Heroinkonsumenten nicht ihre drogenfördernden blauen Adern finden konnten (oder damit jedermann erschrak, wenn er in sein fahles Spiegelbild blickte). Diese Zeit ist aus mir unbekannten Gründen vorbei, jedenfalls pinkel ich fast ausschließlich bei weißem Neonlicht, da sieht man alles blaue super.
Wie ich einleitend bereits erwähnte, sah ich nun ausgerechnet aus der Toilette für Versehrte ein blaues Licht blitzen. Was soll ich von dieser Form der Diskriminierung halten? Denkt man in der Hausverwaltung, dass Rollifahrer eher als alle anderen zur Heroinsucht neigen? Weil sie ihr Leben nicht ertragen? Weil sie so traurig kucken? Oder war man schlicht zu geizig, um alle Lampen zu wechseln und denkt sich:“Mit den Behindis können wir’s ja machen!“ Oder liegt es womöglich an den feinen Herren und Damen Heroinsüchtigen, denen es is den Kabinen fürs Fußvolk längst zu eng geworden ist und die sich lieber auf den großzügiger bemessenen Böden unserer fahrenden Freunde krümmen?
Schall und Rauch. Weißes Licht für alle!
5 comments Dezember 6, 2007







