Archive for Juli 2007
Der Fausto
Nun gut, ich möchte heute besonders die weibliche Leserschaft beschenken. Viele von ihnen lechzen nach Geschichten und Bildern eines Hundes, der den Knutboom überhaupt erst möglich gemacht hat: Fausto.
Fausto und Knut haben mehrere Gemeinsamkeiten: weißes Fell, einen traurigen Blick und ein noch viel traurigeres Schicksal. Während der eine von seiner Mutter verstoßen wurde (Knut), wurde der andere seiner Mutter entrissen und in eine Ersatzfamilie verpflanzt (Fausto). Beiden hat das nicht sonderlich geschadet und war ihrem Ruhm eher noch zuträglich. Das traurige Schicksal Faustos liegt auch gar nicht so sehr in seiner frühen Kindheitsphase, sondern eher in der Pubertät. Seit dieser Zeit nämlich leidet er an Depression aus Liebesmangel. Bis zum Alter von einem Jahr sah sich Fausto noch als Mittelpunkt der Welt, er wurde gepflegt und verwöhnt. Doch mit Einzug des Katers Oskar sollte sich sein Leben radikal ändern, es sollte geradezu die Schicksalszüge Hamlets annehmen. In Oskar fand Fausto einen Freund und Spielgefährten, gleichzeitig aber auch seinen größten Konkurrenten. Denn offensichtlich ist es so, dass der Mensch mehr noch als dieTreue, die Unberechenbarkeit, die Arroganz und einen Hang zur Zickenhaftigkeit liebt. Fausto hat also ein großes Problem: auf der einen Seite liebt er Oskar, auf der anderen Seite ist Oskar der Grund dafür, dass Fausto sich weniger geliebt fühlt. Wie wird die Geschichte weiter gehen? Wird Fausto weiterhin alles über sich ergehen lassen und den Trauerklos geben? Wird Oskar sich entstellende Wunden zuführen, um weniger geliebt zu werden? Wird Fausto einen der Kämpfe mit Oskar benutzen, um ihn zur Strecke zu bringen? Wird Knut eingreifen und allen beiden die Liebe stehlen? Fortsetzung folgt..
10 comments Juli 30, 2007
Ferien
Und da sind sie wieder: die Semesterferien! Zweieinhalb Monate seligen Nichtstuns.
Ich habe Ferien nie gemocht. Das liegt nicht daran, dass ich ein arbeitswütiger Streber wäre, sondern eher daran, dass mich das Leben eines Arbeitslosen nicht besonders erfüllt. Die Schule war -die Uni ist- ein netter Zeitvertreib, der einen davon abhält, mit Barbara Salesch im Bett zu frühstücken oder tagelang nicht zu sprechen, weil man keinen Kontakt zur Außenwelt hat. Ja, ich strebe dem sozialen Tod entgegen, wenn man mich nicht beschäftigt!
Das traurige an den Schulferien war, dass man oft ein pubertär verknallt pochendesHerz ertragen musste, das sich kurz zuvor an ein feenhaftes Wesen gekettet hatte und wusste, dass es die sechs Wochen Trennung nicht überstehen würde. So fuhr man dann am letzten Schultag, nachdem man noch möglichst lang Feenstaub eingeatmet hatte, mit leerem Blick und trauriger Miene allein im Bus nach Hause in die Einöde der sommerlichen Residenz und sehnte das Ende der verdammten sechs Wochen herbei (ein weiteres Argument für Ganztagsschulen und Ferienverkürzung!). Waren die Ferien dann endlich überstanden und der erste Schultag erreicht, war die Liebe natürlich wie so oft aufgebraucht und wofür man eben noch bereit gewesen wäre, sein 13-, 14-, 15-, 16-, 17-jähriges Leben zu opfern, das sah im Licht des Spätsommers doch nur wie ein dummes Mädchen mit Willstdumitmirgehen-Freund aus (tainted love!).
Ganz ähnlich wird es wohl auch mit diesen Semesterferien sein: gegen Ende des Semesters entdeckt man seine Liebe für das Studium im Speziellen und für die Welt des Wissens im Allgemeinen und schwört sich, sie zu ehren und zu arbeiten wie nie. Doch am Ende der Ferien, so ist das nun einmal, ist alles wieder vorbei…
2 comments Juli 25, 2007
Mara Kogoj
Lieber Kevin Vennemann,
ich möchte mich bedanken bei dir für dieses unglaubliche Buch Mara Kogoj. Sicher, mit der schwierigen Sprache, der willkürlich wirkenden Interpunktion und dem Stimmengewirr der Erzhäler hast du es mir anfangs nicht leicht gemacht, das Buch zu mögen, aber das war auch sicher nicht dein Anliegen. Die Geschichte macht mich wütend und sie zeigt unsere Hilflosigkeit. Ich habe Großeltern, die sicher mit Pflügler einverstanden wären und ich würde mir wünschen, ich könnte ihnen wenigstens einmal so begegnen wie Mara Kogoj, doch ich fürchte, ich, und nicht nur ich, entscheide mich allzu oft für den Weg, der an der Konfrontation vorbeiführt, so wie Lebonja es auch tut. Doch das tut uns nicht gut! Der Faschismus, der Rechtsradikalismus, der Nationalismus, der Chauvinismus und jede andere Form der Diskriminierung machen uns kaputt und wir dürfen ihnen nicht das Feld überlassen. Die Pflüglers, Haiders, Filbingers oder Oettingers mögen in der Minderheit sein, doch die Sprengkraft ihres widerlichen Gedankenguts ist enorm und wir müssen aufpassen, dass Teile davon nicht zum gesellschaftlichen Mainstream werden. Natürlich gab es auch unter den Deutschen Opfer des II. Weltkriegs, doch man darf nie vergessen, dass allein in den KZs über sechs Millionen Menschen getötet wurden.
Du, Kevin, hast gezeigt, dass auch die Generationen der Ganzspätgeborenen, also deine und meine, sehr wohl noch etwas mit diesem Krieg und seinenFolgen zu tun haben und man die ganze Sache nicht einfach abhaken und für erledigt erklären kann. Schon Nietzsche hat gesagt, dass einen eine so behandelte Sache nichts mehr anginge, und genau das wäre fatal.
Ich würde mir also wünschen, dass dein Buch gelesen wird, von ganz vielen Menschen, nicht nur von Literaturheinis wie mir, und dass sie deine Wut spüren und sie in sich aufnehmen, damit dem grenzenlosen Gepöbel der Rechten, aber vor allem ihren Einflüssen in die Mitte der Gesellschaft endlich ein Riegel vorgeschoben werden.
Danke.
Add comment Juli 25, 2007
Die Tour de France
Schade, schade, schade. Es hätte eine läuternde Watsche von ARD und ZDF für den deutschen Radsport sein können, wenn durch die abgebrochene Übertragung der Tour de France erhebliche Werbegeldeinbußen für Teams und Fahrer zu befürchten gewesen wären. Nun handelt es sich aber auch bei den Übertragungsrechten einer solchen Sportveranstaltung um ein knappes und begehrtes Gut, und so ist es nicht verwunderlich, dass sich SAT1 relativ spontan die Rechte gesichert hat und seit heute live überträgt. Die Begründung ist simpel und geht auch mit der Meinung der internationalen Presse konform: Es ist nicht Aufgabe des Journalismus zu richten, sondern lediglich, ehrlich und objektiv zu berichten.
Tatsächlich mag es heuchlerisch wirken, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender sich selbst zum großen Thema -und damit zum Publikumsmagneten- machen und sich zudem anmaßen, die Dopingsünder zu bekehren, zumal sie über Jahre hinweg selber Teil des Zirkus waren und alles andere als dopingkritisch berichteten. Dennoch hätte dieser Schlag meiner Meinung nach gesessen, denn es ist sicher nicht im Interesse der Fahrer, der Teams und des Systems Radsport, abseits der großen Öffentlichkeit stattzufinden. Mit dem Ausstieg von ARD und ZDF sowie dem Einstieg von SAT1 mag man einen altbewährten Partner verloren haben, aber durch die Verlagerung auf einen Privatsender könnte der Eklat letzendlich sogar zur Erfolgsstory werden. Schade, schade, schade.
Add comment Juli 19, 2007
Pommeswetter
Was einen das ewige Mensaessen lehrt, ist folgendes: Pommes gehen zu allem. Ob zu Braten, Schnitzel, Spaghetti, Eintopf, Muscheln, Hühnchen usw., Pommes bewähren sich und sind fast so anpassungsfähig wie Weißbrot. Ein hoch auf das knusprige Gold!
P.S.: für alle, die Angst vor gelben Nahrungsmitteln haben: auch Blattsalat ist eine Schlampe, die es mit fast jedem Essen tut.
14 comments Juli 12, 2007



