Felix – Ich, wie es wirklich war

Der Grand Prix d’Eurovision de la Chanson

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn, Kultur, Musik von felixander am Mai 13, 2007

Überraschung, Überraschung! Roger Cicero schneidet beim Eurovison Songcontest nur unwesentlich besser ab als Gracia 2005. Woran lag’s? An der Klüngelei des Ostblocks? An der Geschmacksverirrung eines ganzen Kontinents? Revanchismus wegen eines Krieges, der doch schon 60 Jahre auf dem Buckel hat?

Die Gracia Der Cicero

Nein, das trifft wohl alles nicht zu bzw. reicht es mir als Erklärung nicht. Für mich fehlte allen deutschen Beiträgen, die ich bewusst mitbekommen habe, das Deutsche. Das, was eigentlich allen West- und Mitteleuropäischen Teilnehmern (wie beispielsweise dem großartig gescheiterten DJ Bobo) fehlt, ist eine nationale Identität, die sich direkt in der Musik niederschlägt.  Stattdessen versucht man sich an Swing, Rock, Pop etc., alles Musik, die zwar international vermarktbar ist, bei der es aber keinen Unterschied macht, ob sie aus Irland oder der Schweiz kommt.

Scheinbar liegen sich in Europa zwei Blöcke gegenüber: auf der einen Seite West- und Mitteleuropa, die sich zwar als große Nationen sehen, die aber offensichtlich Musik völlig frei von ethnischen Einflüssen produzieren; auf der anderen Seite ein Europa, dessen Kultur durch Islam, Orthodoxes Christentum, Zaren- und Osmanisches Reich, Orient und Slaven geprägt ist. Was diese Länder verbindet, ist ihre Armut im Vergleich zu den westlichen Staaten, ihre gemeinsame Vergangenheit und Kultur, sowie eine relativ junge Nationalbewegung. Genau daher rührt eine tiefe Verankerung in der eigenen Geschichte und in einer Musik, die bei uns völlig lächerlich ausgeprägt ist: in der Volksmusik. Ausgenommen von der Ukraine fiel bei vielen Beiträgen aus den östlichen Ländern auf, dass sie ziemlich stark von der traditionellen Musik ihres Landes beeinflusst waren (besonders hervorzuheben der armenische Beitrag). Diese Authenzität in Verbindung mit der gemeinsamen Herkunft von Kultur und Musik, sowie natürlich die Abstimmungsmacht durch die vielen kleinen Staaten, sorgte unter anderem für den Sieg von Marija Serifovic.

Die Marija

Möglicherweise ist diese Blockbildung auch eines der kommenden Probleme der EU, da man im Westen relativ wenig mit der Kultur des neuen Ostblocks anfangen kann, diese vielleicht sogar verlacht, der neue Ostblock hingegen durch seine tiefe kulturelle Verwurzlung und Bruder-, Schwester- und Vetternschaft nicht weiter gewillt sein wird, dem großen Bruder aus dem Westen blindlinks zu folgen. Der Grand Prix als Seismograph der politischen Machtverhältnisse? Ganz so extrem wird es nicht sein, aber der Westen sollte so langsam seine Arroganz ablegen und einfach Musik machen.

The Reminder

Veröffentlicht in Musik von felixander am Mai 3, 2007

Leslie Feist gehört zu den elfenhaften Wesen, bei denen man immer nochmal kucken muss, ob sie wirklich so bezaubernd aussehen, wie man sie sich vorstellt. Eine Musik machende Frau kann und darf nicht wie ein Model sein, sie muss eine Schönheit haben, die jenseits des Greifbaren liegt, sie muss mehr als nur Oberfläche sein, sie muss ein Geheimnis haben, ein Versprechen.

Die Leslie

Leslie Feist trägt dieses Versprechen schon in ihrer Stimme. Die klingt oft zerbrechlich, sensibel, verletzbar, tiefgründig, klug, schön, vertraut, einfühlsam, gütig, witzig, aufreizend, herzzerreißend. Alle diese Facetten hört man auch auf Feists neuem Album The Reminder. Dieses Album ist ein wenig zu sperrig, um Pop zu sein, aber ein wenig zu gefällig, um reiner Indie zu sein. Besonders die flotteren Stücke wie One, Two, Three, Four, I feel it All oder Past in Present machen Spaß und gehen schnell ins Ohr und Tanzbein. Mit Songs wie How my Heart behaves trifft mich die liebe Frau Feist mitten ins Herz, so schön ist das. Von tiefer Traurigkeit erfüllt, fast schon elegisch, zieht es sich dahin, das Klavier scheint genauso zerbrechlich wie ihr Herz und ihre Stimme, aber gerade diese Melancholie ist ja oft das Schönste. The cold heart will burst…    Bitte hören und lieben!

Young Modern

Veröffentlicht in Musik von felixander am Mai 2, 2007

Dass Daniel Johns einer der begabtesten Songwriter -neben Matt Bellamy von Muse- der modernen Rockmusik ist, war mir spätestens seit „The greatest View“ klar, doch lange Zeit konnte er das mit seiner Band Silverchair nicht unter Beweis stellen. Zu experimentell, zu kompromisslos, zu wenig fassbar wirkten die Vorgänger zu Young Modern.

Das Neue

Nun aber ist ein wahres Monster entstanden. Ein wenig erinnert es an Queen, wenn scheinbar Ideen für drei Alben in einen einzigen Song gesteckt werden (Those Thieving Birds I/Strange Behavior/Those Thieving Birds II) oder wenn ein komplettes Orchester vierter Teil der Band wird. Erstaunlicherweise bleibt die Gitarre, das eigentliche Instrument von Johns, im Hintergrund und spielt sich nicht vor der pompösen Begleitung auf, in diesem Punkt bleibt die Band absolut postmodern. Womöglich ist einer wie Daniel Johns auch einfach nicht auf ein einziges Instrument fixiert, sondern begreift die ganze Band als sein Instrument. Young Modern ist ein Meisterwerk, hat aber natürlich dennoch nicht die Poppigkeit des größten Silverchair Hits Ana’s Song. Dass dieser verfluchte Johns mit Natalie Imbruglia verheiratet ist, kann ich ihm allerdings nicht verzeihen.

Der Daniel Die Natalie

Der Park

Veröffentlicht in Der tägliche Wahnsinn von felixander am Mai 2, 2007

Im Bayerischen Wald soll es angeblich wieder Luchse geben. Ich hasse den Bayerischen Wald, er widert mich geradezu an. Die Natur und die Wildnis als solche sind die Feinde des Städters

.Das Tier Der Wald

Das nicht enden wollende Grün des Bayerischen Waldes macht mich auf wenig subtile Weise depressiv. Umso dankbarer bin ich für die Erfindung des Parks. Auf den ersten Blick ist der Park der schäbige Versuch des Menschen, Natur in seine tristen Städte zu bringen, doch das ist falsch. Der Park ist die Manifestation des Sieges des Menschen über die Natur. Der Park ist Teil einer vollkommen vom Menschen geschaffenen Welt, er soll nicht die Natur widerspiegeln, sondern eine Idee der vom Menschen geschaffenen Natur, ein Paradies. Man unterwirft die Natur dabei den menschlichen Gesetzen und Werten, sie wird manipulierbar, berechenbar und ungefährlich.

Der Französische

Klar zum Ausdruck kommt diese Idee in den geometrisch angelegten französischen Parks des Barock, in denen die gebändigte Natur zur Schau gestellt wird. Doch auch der natürlicher wirkende Englische Garten bildet nicht die Natur ab, sondern stellt mit seinen Ausblicken und malerischen Eindrücken ein menschengeschaffenes Ideal dar. Aufgemotzt mit Biergarten, See usw. lässt es sich umso besser aushalten. Es lebe der Park!

Der Englische