Über Sunshine
Seltsam an Sunshine ist in meinen Augen, dass er (wenigestens an der Oberfläche) übehaupt keinen Bezug zur jetzigen Wirklichkeit hat. Die Stimmung, die The Day after Tomorrow noch klug vorausgeahnt oder vielleicht selbst mitproduziert hat, nimmt Sunshine überhaupt nicht auf, obwohl auch hier die Erde einer Klimakatastrophe zum Opfer fällt. Der Unterschied ist allerdings, dass in Danny Boyles Film die Katastrophe nicht vom Menschen gemacht ist, dass sie eigentlich nicht einmal auf der Erde ihre Ursache hat. Der Mensch ist Opfer eines dummen Zufalls oder einer göttlichen Fügung, der er sich mit Heldenmut widersetzen muss. Vielleicht spiegelt das den Wunsch wider, der Klimawandel sei doch bitte nicht menschengemacht, und wenn doch, so aber wenigstens mit den üblichen Mitteln (Atombombe, Übermensch, Bruce Willis) zu bekämpfen. Das wirkt in dieser Konsequenz dann fast schon weltfremd und eskapistisch.
Sunshine
Sunshine ist ein Film über…tja, worüber eigentlich?
Oberflächlich geht es um die Rettung der Sonne -und damit der Menschheit- durch das Raumschiff Ikarus II. Ikarus II ist der Transporter einer riesigen Atombombe, die die schwächelnde Sonne wieder in Schwung bringen soll. Wo es eine II gibt, gab es auch eine I; auf dem Weg zur Sonne stößt Ikarus II auf das Notrufsignal der verschollenen Ikarus I. Hier beginnt der eigentliche Hintergrund der Geschichte. Wie beeinflussen meine Entscheidungen und mein Handeln mein Schicksal? Die Fragen an diesem Punkt der Geschichte sind schon relativ komplex: Führen wir unsere Mission planmäßig aus und retten die Menschheit? Retten wir die Crew der Ikarus I? Zählen acht Menschenleben weniger als mehrere Millionen? Würde die Rettung der Ikarus I die Erfolgschancen der Mission erhöhen (zwei Bomben sind besser als eine)?
Um die Entscheidung drückt sich der Captain der Mission und überlässt sie dem jungen Physiker und Bombenexperten Capa (Cillian Murphy). Capa entscheidet sich für die Crew der Ikarus I unter dem Vorwand der größeren Erfolgsaussichten dank zweier Bomben. Mit dieser Entscheidung beginnt das Drama auf der Ikarus II. Bis zum Erreichen der Ikarus I verlieren unsere neuen Freunde schon ihren Captain bei Reparationsarbeiten am lebenswichtigen Sonnenschild, der das Raumschiff vor der tödlichen Strahlung schützt, ein weiteres Crewmitglied dreht durch, weil es Schuld am Schaden des Sonnenschilds hat, und der Sauerstoffgarten, der die Luftversorgung der Ikarus II sicher stellen soll, brennt völlig ab.
Bis hierhin bleibt die Geschichte noch ziemlich im Rahmen, auch wenn natürlich die ganze Sonnenrettungsaktion eher unsinnig ist, aber das sollte man bei diesem Film auf jeden Fall vernachlässigen. Dummerweise hebt die Sache ziemlich ab, als die Ikarus II an die havarierte Ikarus I andockt. Es bleibt noch etwas unklar, aber es stellt sich bald heraus, dass auf der Ikarus I der Captain noch lebt (oder jedenfalls untot ist) und sein einziges Ziel es ist, alles, was kreucht und fleucht, umzubringen. So muss dann eben nach und nach einer nach dem anderen dran glauben und nur der heldenhafte Capa hält immerhin lang genug dagegen, um die Bombe noch Richtung Sonne zu schicken und die Menschheit (in diesem Fall seine Schwester, was schon wieder 1 000 mal besser ist als blöde Welterlösungsszenen in Independence Day) zu retten.
Der Tod im Weltraum ohne Raumanzug sieht übrigens unspektakulärer aus, als ich es mir vorgestellt habe. Ich dachte immer, dass wegen des großen Druckunterschieds, der Körper des Menschen platzen müsste. Der Vorschlag von Sunshine sieht einfach nur Schockfrostung vor. Und da man dann eh schon nah genug an der Sonne ist, folgt fluxes Verglühen. Ein bisschen unspektakulär, auch wenn das Blut des abgebrochenen Arms wie Granatapfelkerne durchs All schwebt.
Vom Regisseur Danny Boyle, der beispielsweise für Trainspotting herrlich surreale Bilder geschaffen hat, hätte ich mir mehr erwartet. Natürlich sind auch in Sunshine einige wunderbare Bilder dabei und vor allem der Soundtrack ist dank Underworld (die hatten ja auch bei Trainspotting schon ihren Hit) wirklich unmenschlich schön, aber leider bleibt der Film zu sehr im Genre und erinnert dann doch hier und da an Lost in Space und wegen des Zombieendes besonders an Event Horizon. Schade.
Dr. Psycho
Christian Ulmen hat es tatsächlich geschafft, einen neuen Job bei
zu ergattern. Nach Mein neuer Freund, das wegen Erfolglosigkeit eingestellt wurde, spielt er jetzt eine etwas herkömmlichere Rolle in der Serie Dr. Psycho. Als Psychologe Max Munzl unterstützt er eine SoKo, bringt aber vieles durch seine chaotische, unpolizeiliche Art durcheinander.
Nicht nur in die Ermittlungen mischt er sich immer wieder auf unkonventionelle Art ein, auch die Privatleben der Kollegen lässt er nicht unberührt. Der Alkoholiker wird langsam in den Entzug gedrängt, der Revolverheld lernt seine weiche Seite kennen und auch das Mannweib findet zur Weiblichkeit zurück. Es ist wohl absehbar, dass von Folge zu Folge aus dem Alle-gegen-Munzl ein Wir-sind-wir-dank-Munzl wird. So vorhersehbar die Entwicklung der Personen aber sein mag, so unaufgeregt, untypisch und angenehm anders ist die Serie als Ganzes. Für eine deutsche Serie seh ich es als ziemliche Neuheit an, dass sie zwar witzig sein darf, aber keine Comedy sein muss.
Dieser Ansatz erinnert vielleicht an das pointenlose Stromberg, aber das Setting ist eben nicht die begrenzte , kammerspielartige Kulisse eines Versicherungsbüros, sondern des deutschen liebstes Genre: der Krimi.
Das wirklich Schöne an Dr. Psycho ist, dass der Erzählton nicht diese blöde Ironie oder totale Albernheit wie andere „witzige“ Programme hat, die die eigenen Figuren im Stich lässt, sondern dass man merkt, dass jede Figur ihren Wert hat und mit ihren Macken ernst genommen wird, was dann wiederum erst recht zulässt, dass man über sie -oder mit ihnen lachen- kann. Dazu kommt noch, dass es sich zwar um eine unernste Krimiserie handelt, dass das Genre des Krimis aber überhaupt nicht persifliert wird, sondern noch einen neuen, spannenden Aspekt dazugewinnt: Witz. Im Großen und Ganzen eine gelungene Ensembleproduktion, die für deutsche Verhältnisse erstaunlich anders und doch irgendwie ganz normal ist.
Apropos Helwig
Wo wir schon bei Helwig Brunner sind, muss ich zugeben, dass ich zunächst dachte, dass das wohl eine Frau ist, meine Urgroßmutter hieß nämlich Hedwig, da liegt der Schluss ja nahe, dass der eine Buchstabe in der Mitte, nicht gleich das Geschlecht ändern wird. Tja, Pustekuchen. Helwig Brunner ist ein (im Vergleich zu Hedwig) relativ junger Lyriker aus Graz.
Wenn man den Hobbynamensforschern im Internet trauen kann, dann kommt der Name von hel /heil = gesund, heil, unversehrt und wig = Kampf. Helwig wird also ein cooler Kämpfer sein. Hedwig hingegen hat seine Wurzeln bei hadu = Krieg. Dann ist der Name allerdings entweder doppelt gemoppelt oder eine Hedwig ist mehr Kriegsgöttin als Frau. Bei der Gelegenheit kommt man recht schnell zu Margot und Maria Hellwig. Hellwig leitet sich wohl von hellwech ab, was ein breiter Weg wäre, Grimms Wörterbuch meint aber, dass das dann schon auch der Weg sein muss, auf dem die Leichen gefahren wurden. Wer schon mal eine Volksmusiksendung gesehen hat, wird wissen: nomen est omen.
Der große FCB
Am 30. Spieltag verlieren die Bayern also tatsächlich 0:2 gegen Stuttgart. Bitter, bitter, zumal das wohl die letzte Chance war, um doch noch einen Championsleagueplatz zu erreichen.
Aber das war wieder ein Spiel, das symptomatisch für die momentane Verfassung der Bayern ist. Man scheint im Vorstand einerseits die Leistungsfähigkeit der Mannschaft zu überschätzen, andrerseits den Wert der Lesitungsträger zu unterschätzen. Bastian Schweinsteiger war in letzter Zeit sicherlich außer Form und er ist auch nach wie vor kein Weltklassespieler, aber bei einem Kader, wie ihn die Bayern zur Zeit haben, fällt sein Ausfall extrem ins Gewicht. Im Mittelfeld bleiben dann nur noch Ottl und van Bommel, deren stärken nicht gerade im Kreativspiel liegen, und ein Christian Lell ist selbst in der Bundesliga nicht mehr als Durchschnitt.
Die Einkäufe, die Hoeneß bisher getätigt hat, versprechen eigentlich keine Besserung, viel mehr befürchte ich, dass beispielsweise Schlaudraff einer dieser hoffnungsvollen Spieler wird, die bei Bayern komplett untergehen und dann nach unten durch gereicht werden, um dann irgendwo in der zweiten Liga zu enden. Was man sich von Altintop erwartet, ist mir überhaupt nicht klar, und Sosa wird es wohl nicht viel anders ergehen als Dos Santos. Von einem guten Management könnte man erwarten, dass ihm ein Coup gelingt wie Werder Bremen mit Diego: da wechselt ein Leistungsträger (Johan Micoud) den Verein, man findet aber mehr als nur Ersatz. Hoeneß will es nicht zugeben, aber: der Ballackwechsel tut immer noch weh, auch wenn van Bommel seinen Job gut macht. Dass Sebastian Deisler seine Karriere beendet hat, ist tragisch, aber ich denke, auch er hätte die Saison der Bayern nicht retten können. Die letzten vier Spiele der Saison sollten allesamt gewonnen werden, sonst bleibt 2006/2007 wirklich nicht viel mehr als große Sprüche und schwache Spiele.
Friede und Ich
Ich bin heute mit Elfriede Jelinek U-Bahn gefahren. Sie sah auf den ersten Blick genauso hexenartig aus wie auf ihren Verlagsphotos.
Aber bei genauerer Betrachtung stellte sie sich als erstaunlich alte, ungepflegte Frau heraus. Sie trug einen Wickelrock, der tatsächlich genau unter ihren Brüsten anfing. Das heißt nun einerseits, dass die Brüste sehr weit runter gingen, dass der Rock andrerseits aber auch sehr weit oben saß. Man könnte das Avantgarde nennen. Ihre Begleitung war ebenfalls relativ ungepflegt, der Mann hatte sehr buschiges Nackenhaar(also der Flaum, der beim Friseur eigentlich immer komplett wegkommt).
Als ich sie so sah, konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass sie dieses merkwürdige Buch „Die Klavierspielerin“, oder überhaupt ein Buch, geschrieben hat. Aber das heißt wohl nur, dass man einem Menschen nicht ansieht, ob er einen Nobelpreis oder Porzellankatzen auf dem Fernseher stehen hat.
Hello world!
Ja, hallo Welt! (Das mag etwas hochgegriffen sein, aber so darf sich dann eben jeder Leser als Welt betrachten. Logischer Schluss: kein Leser, keine Welt. Oder: viele Leser, viele Welten? Dem Subjektivismus hab ich jetzt eben mal Tür und Tor geöffnet, ich hoffe, Gott wird mir das verzeihen [Ob sich Gott tatsächlich durch das Internet bedroht fühlt? Ist das schon Blasphemie? Hat Gott ein Blog?].)





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